20.06.2014
Jede/r Vierte mit leeren Taschen

Finanzkrise hin, Reformen und Reförmchen her: Die Vermögensverteilung in Deutschland hat sich laut einer Studie in den vergangenen zehn Jahren weder im Durchschnitt des individuellen Besitzes wesentlich verändert, noch in der frappierend hohen Ungleichheit.

"Reiche Selbständige, arme Arbeitslose" überschreibt die Hans Böckler-Stiftung ihre Grafik zur Vermögensverteilung.

25 Prozent mit nichts - oder weniger

Wie die Hans Böckler-Stiftung mit Bezug auf eine durch sie geförderte DIW-Studie mitteilt, sind die Vermögen in Deutschland weiterhin alles andere als ausgewogen verteilt: "Wer zum reichsten Zehntel gehört, besitzt nach Abzug aller Schulden mindestens 217.000 Euro. Über ein Viertel der Bevölkerung hat dagegen netto nichts oder ist sogar im Minus."

Dabei haben sich die Kennzahlen für das durchschnittliche individuelle Nettovermögen seit 2002 ebeso gering verändert, wie die "auf konstant hohem Niveau" verharrende Ungleichheit. Die Stiftung beruft sich auf eine eine Analyse von Wissenschaftlern des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), für die aktuelle Daten des Sozio-oekonomischen Panels zur Vermögenssituation der erwachsenen Bevölkerung ausgewertet wurden.

Indiz für erhebliche Ungleichheit

Diesen Berechnungen zufolge besaßen die privaten Haushalte in Deutschland im Jahr 2012 brutto rund etwa 500 Milliarden Euro mehr als 2002. Netto waren es insgesamt 6,3 Billionen Euro, auf jede/n einzelne/n Erwachsenen umgerechnet 83.000 Euro. Der Median hingegen, also die Grenze zwischen den reichsten 50 Prozent und den ärmsten, lag bei nur 17.000 Euro, so die Wissenschaftler: "ein Indiz für erhebliche Ungleichheit".

Diese Kluft bestätigt auch der Blick auf die oberen und unteren Zehntel. Um zu den reichsten zehn Prozent zu gehören, musste man 2012 mindestens 217.000 Euro besitzen; über ein Fünftel aller Erwachsenen besaß dagegen netto gar kein Vermögen, weitere sieben Prozent hatten mehr Schulden das Vermögen.

Entsprechend niederschmetternd stellt sich der sogenannte Gini-Koeffizient dar, der nach der Formel "je höher der Koeffizient, desto größer die Ungleichheit" als wissenschaftliches Maß für die Ungleichheit der Vermögensverteilung dient. Mit 0,78 lag er in Deutschland im Jahr 2012 im internationalen Vergleich deutlich über dem etwa in Frankreich (0,68), Italien (0,61) und der Slowakei (0,45).


» weitere Kennzahlen zur Vermögensverteilung sowie die DIW-Studie als PDF findet man auf den Seiten der Hans Böckler-Stiftung

 

 

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