05.06.2014
Gewerkschaften fordern Zukunftsperspektive, Mindeststandards und sozialen Dialog für die Automobilindustrie

(Pressedienst 13/2014: Internationale Automobilkonferenz der IG Metall Bayern in Nürnberg) Gemeinsam mit fünf osteuropäischen Gewerkschaften diskutiert die IG Metall Bayern am 5. und 6. Juni in Nürnberg im Rahmen einer internationalen Automobilkonferenz die Entwicklung der Automotive-Branche in Bayern, Österreich, der Slowakei, Tschechien, Ungarn und Slowenien.

Die Konferenz bildet den Höhepunkt des von der Europäischen Union geförderten Projektes „AUTOglobal“, das im Zuge der Entwicklung der Arbeitsmärkte den sozialen Dialog fördert sowie einen Beitrag zu sozialen und tariflichen Mindeststandards in der Auto- und Zulieferindustrie der beteiligten Länder entwickelt. Über 120 Teilnehmer aus den beteiligten Ländern wollen damit auch den Sozialpartnern neue Instrumente zur Begleitung industrieller Veränderungsprozesse an die Hand geben. László Andor, EU-Kommissar für Beschäftigung, Soziales und Integration, begrüßte diese Absicht in einer Videobotschaft an die Konferenz und wünschte ihr viel Erfolg.

Die Konferenz stellt in dieser Form eine Premiere dar und bildet den Auftakt für eine Intensivierung des grenzüberschreitenden Dialogs und der internationalen Zusammenarbeit. Gleichzeitig markiert sie das zwanzigjährige Bestehen der sogenannten Wiener Memorandum-Gruppe, in der die Metallgewerkschaften der sechs Länder ihre Zusammenarbeit vorantreiben. Dabei stehen Erfahrungsaustausch sowie die Entwicklung gemeinsamer Positionen und Ziele mit Blick sowohl auf einzelne Unternehmen, als auch auf die Branche insgesamt im Fokus. Der bayerische IG Metall-Bezirksleiter Jürgen Wechsler betonte zur Eröffnung: „Dies ist heute ein besonderes Ereignis - seit über 20 Jahren arbeiten wir als Partnergewerkschaften aus sechs Ländern im Netzwerk der Wiener-Memorandum-Gruppe zusammen. In den vergangenen Monaten, das dokumentiert die heutige Konferenz, haben wir jedoch einen neuen Weg der Zusammenarbeit betreten.“

Unter den Teilnehmern befinden sich die Präsidenten der jeweiligen Gewerkschaften, die in ihren Ländern insgesamt mehr als eine Million Beschäftigte vertreten. Aus ihrer Sicht ist die gestaltende Beteiligung der Arbeitnehmerorganisationen von entscheidender Bedeutung, so Wechsler: „Wir haben uns darauf verständigt, den massiven Wandel der europäischen Automobil- und Zuliefererbranche aktiv im Sinne der Beschäftigten mitzugestalten sowie einen begleitenden sozialen Dialog zu gewährleisten. Vor allem aber wollen wir gemeinsam an konkreten Projekten auf Unternehmensebene mit den Beschäftigten der anwesenden Länder arbeiten - wir beschränken uns nicht auf abstrakte Richtlinien.“

Um das trotz vergleichbarer Produktivität und Lebenshaltungskosten unverändert signifikante Gefälle der Arbeits- und Lebensbedingungen in den verschiedenen Staaten zu vermindern, stellen die Teilnehmer bindende Mindeststandards in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Die Unternehmen der Branche fordern sie nachdrücklich auf, dafür  einen positiven Beitrag zu leisten, statt das Lohnkostengefälle weiter zu zementieren. Darüber hinaus fordern sie auch Abgeordnete, Regierungen und die Europäische Kommission auf, zum einen Wettbewerbsfähigkeit und Zukunft der Branche zu fördern, zum anderen die Arbeitsbedingungen und Lebensverhältnisse ihrer Beschäftigten zu verbessern und weiter anzugleichen.

Als wesentliche Aspekte benennen sie unter anderem das Ende der einseitig die Arbeitnehmer belastenden Sparpolitik, die Bekämpfung von Arbeitslosigkeit und prekärer Beschäftigung, sowie die kontinuierliche Verbesserung von Aus- und Weiterbildung. Um eine nachhaltige Verbesserung in diesem Sinne zu erreichen, müssen außerdem Gewerkschaftsrechte und vor allem die Mitbestimmung erweitert und verstärkt werden, erklärte Wechsler: „Die Zukunft einer Schlüsselbranche wie der Automobil- und Zulieferindustrie ist zu wichtig, um sie Unternehmen, Investoren und ihren Finanzmärkten zu überlassen. Ihre Arbeitnehmer müssen in allen Ländern durch mehr Mitbestimmung und erweiterte Gewerkschaftsrechte die Entwicklung eines Bereichs mitgestalten, der über die Landesgrenzen hinweg entscheidende Bedeutung für die Volkswirtschaft hat.“

Der Facettenreichtum und die Bedeutung der internationalen Automobilkonferenz werden auch die Referenten unterstrichen. Neben Vertretern der Politik mehrerer Länder sind unter anderem Manager und führende Arbeitnehmervertreter aus Unternehmen wie Audi, Opel, Schaeffler und ZF Friedrichshafen anwesend.

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