02.06.2014
IG Metall stellt sich gegen Abbaupläne bei Unify

(Pressedienst 12/2014: Kahlschlag bei früherer Siemens Enterprise Communications) Das Management der früheren Siemens-Sparte Unify hat am 2. Juni Pläne bekanntgegeben, das Unternehmen mit Sitz in München komplett umzubauen und dabei weltweit 3.800 Stellen zu streichen. Etwa die Hälfte des Abbaus soll auf die Region Zentraleuropa entfallen, zu der Deutschland gehört. Das Unternehmen ist aus der ehemaligen Siemens Enterprise Communications entstanden, bietet Firmentelefonlösungen an und firmiert seit Oktober 2013 als Unify.

Der Abbau soll für Deutschland mit einer erheblichen Konsolidierung der Standorte und der Zentrale verbunden sein. Diese Pläne übertreffen jüngste Mediengerüchte über einen weiteren massiven Personalabbau bei Unify deutlich. Die IG Metall weist sie entschieden zurück und kündigt Widerstand an, erklärt Peter Mokrus, Unternehmensbetreuer der IG Metall für Unify und Aufsichtsratsmitglied: „Für diesen Kahlschlag haben wir keinerlei Verständnis und werden ihn nicht kampflos hinnehmen. Seit Jahren jagt eine Restrukturierung die nächste, ohne dass sich das Geschäft wirklich erholt hätte. Seit Jahren mahnen Betriebsräte und IG Metall eine belastbare Zukunftsperspektive für das Unternehmen und für die Beschäftigten an - bis heute leider vergeblich.“

Unify ist zu 49 Prozent im Besitz der Siemens AG, 51 Prozent hält die amerikanische Gores-Group. Das Unternehmen beschäftigt derzeit weltweit etwa 7.700 Menschen, gut 3.100 davon in Deutschland. Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung von Telekommunikationslösungen ist Unify mit seinen klassischen Telefonanlagenprodukten immer mehr unter Druck geraten und hat weltweit erheblich an Geschäft verloren. Wegen der anhaltenden Verluste mussten die Arbeitnehmervertreter bereits 2013 trotz stabiler Geschäftssituation in Deutschland einen Personalabbau von über 600 Stellen in Deutschland akzeptieren - allerdings unter der Prämisse, dass keine Kündigungen ausgesprochen würden. „Unify kann als Lösungsanbieter nur mit innovativen Produkten überleben. Dazu braucht das Unternehmen motivierte Menschen in Entwicklung, Vertrieb und Service. Die angekündigte Halbierung der Belegschaft bewirkt das Gegenteil“, begründet Mokrus die ablehnende Haltung der IG Metall. Entschieden ist bislang noch gar nichts, denn das Unify-Management muss seine Abbaupläne nun zunächst in den Wirtschaftsausschuss einbringen, bevor Verhandlungen mit den Betriebsräten starten können.

Mit Unify gerät erneut ein von Siemens ausgegliedertes Geschäft in negative Schlagzeilen zu den früheren Kommunikationsbereichen, von denen zuletzt Nokia Siemens Networks begleitet wurde. „Seit Jahren begleiten wir solche Ausgliederungen mit abweichenden Tarifverträgen, ohne dass die erzielten Einsparungen in dringend notwendige Innovationen gesteckt würden“, kritisiert Sibylle Wankel, Tarifverantwortliche der IG Metall für den Siemens-Konzern und Mitglied im Siemens-Aufsichtsrat. Siemens steht aus Sicht der IG Metall auch mit Blick auf die aktuelle Unruhe wegen der eigenen Restrukturierung nach wie vor in der Verantwortung für Unify, so Wankel weiter: „Das kann so nicht weitergehen! Jetzt ist es an Siemens, die Verantwortung für die bei Unify arbeitenden Ex-Siemensianer zu übernehmen, um ein Desaster wie bei BenQ zu vermeiden.“

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