17.03.2014
Arbeitskosten: kein Grund zur Sorge

Die Kosten je geleistete Arbeitsstunde sind in Deutschland im vergangenen Jahr um 2,4 Prozent gestiegen, gab das Statistische Bundesamt am 11. März bekannt. Wirtschafts- und Arbeitgeberverbände verfielen reflexartig in Warnrufe, dabei handelt es sich eigentlich nur um eine Rückkehr zur Normalität mit insgesamt positivem Effekt.

Arbeitskosten pro Stunde, Veränderung im Vergleich zum Vorjahresquartal

Bayerns Arbeitgeber sorgen sich ...

Die Zunahme setzt sich aus einem Anstieg der Bruttoverdienste um 2,5 und der Lohnnebenkosten um 2,1 Prozent zusammen, wie das Bundesamt weiter mitteilte. Der Verband der Bayerischen Wirtschaft (vbw) zeigt sich darüber "tief besorgt", wie Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt erklärte; der Anstieg bedeute für die deutschen und bayerischen Unternehmen "eine erhebliche Belastung" auf Kosten der Wettbewerbsfähigkeit.

... auf hohem Niveau

Ganz anders sehen das Experten mit Blick auf die gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge auch über die Grenzen Deutschlands hinaus. Prof. Dr. Gustav Horn, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung, verweist auf die langjährig gegenläufige Entwicklung: Von 2000 bis zur Wirtschaftskrise 2008 legten die deutschen Arbeitskosten durchschnittlich nur um 1,8 Prozent zu und blieben damit extrem unter denen in der EU (3,6%) zurück. Dieser Trend setzte sich in abgeschächter Form auch von 2008 bis 2012 fort, als der Anstieg in Deutschland mit 2,2 Prozent immer noch leicht unter dem der EU (2,3%) blieb - und dass, obwohl in dieser Zeit dramatische Rückgänge in den Krisenstaaten die europäischen Durchschnittswerte in den Keller zogen.

Normalisierung nach unterdurchschnittlicher Entwicklung

Bestätigt wird dieses Bild, wenn man den Gesamtzeitraum von 2000 bis 2012 betrachtet. Stiegen die deutschen Arbeitskosten in diesem Zeitraum durchschnittlich um 1,9 Prozent pro Jahr, waren es in der EU 3,2 Prozent. Den aktuell stärkeren Anstieg bewertet Horn vor diesem Hintergrund keineswegs als alarmierend, sondern als eine eher willkommene Normalisierung: "Die Arbeitskostenentwicklung spiegelt wider, dass die Löhne endlich wieder etwas stärker steigen. Es wäre gesamtwirtschaftlich positiv, wenn sich diese Entwicklung noch verstärkt." Dies nämlich würde die Binnennachfrage weiter stärken, was wiederum der das nach wie vor zu exportabhängige Wirtschaftswachstum Deutschland auf eine breitere Basis stellen und die Ungleichgewichte im Euroraum reduzieren würde.

Unter dem Strich geben die neuen Zahlen des Statistischen Bundeamtes also keinen Anlass, die Stirn in Sorgenfalten zu legen. Dass die Arbeitskosten der deutschen Wirtschaft deren Wettbewerbsfähigkeit nicht ins Wanken bringen, zeigt zu guter Letzt auch die reale Entwicklung der Wachstumslokomotive Europas, wie Horn abschließend erklärt: "Die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ist trotz etwas höherer Arbeitskosten nach wie vor sehr groß, wie nicht zuletzt die Rekordüberschüsse im vergangenen Jahr gezeigt haben."

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