28.02.2014
"Pforzheim" wird zehn

Arbeitgeber und Gewerkschaften vertreten naturgemäß zu den meisten Themen unterschiedliche Ansichten. Da fallen Ausnahmen umso mehr auf - so wie das Abkommen, das unter der schlichten Bezeichnung "Pforzheim" seit Jahren viel Einfluss auf die Tariflandschaft der Metall- und Elektroindustrie hat.

Abweichungen möglich ...

Heuer feiert das Abkommen seinen zehnten Geburtstag. Am 25. Februar 2004 machten IG Metall und Arbeitgeber in Pforzheim den Weg für Tarifabweichungen frei. Das Ziel: Die Beschäftigung in Betrieben zu sichern, die wirtschaftlich vor besonderen Herausforderungen stehen. Einen Tag später übernahm der Tarifbezirk Bayern den Pilotabschluss aus Baden-Württemberg.

... nach klaren Kriterien

Detlef Wetzel, Erster Vorsitzender der IG Metall, bewertete "Pforzheim" zum zehnjährigen Jubiläum am Dienstag in Frankfurt unverändert positiv: "Die Pforzheimer Tarifvereinbarung ist ein Musterbeispiel für gelungene interne Flexibilisierung. Zwei Dinge sind maßgeblich: Die Belegschaft macht ohne konkrete Aussichten auf Wachstum und Investitionen keinerlei Einschränkungen mit. Und an der Entscheidung werden die Mitglieder beteiligt. Nur mit deren ausdrücklicher Zustimmung gibt es Abweichungen. Dieser Tarifvertrag ist auch eine Antwort auf die zunehmend unterschiedlichen ökonomischen Entwicklungen."

Für Abweichungen vom Standard gibt es klar definierte Kriterien. Die Arbeitnehmerseite muss umfassende Informationen zur wirtschaftlichen Lage des betroffenen Unternehmens erhalten. Stimmt sie auf dieser Grundlage Abweichungen zu, dürfen diese nur zeitlich befristet gelten. Wetzel fasst zusammen: "Ziel ist immer ein Gesamtpaket unter Beteiligung der Beschäftigten, an deren Ende die Gesundung des Unternehmens und die Orientierung am allgemeinen Tarifstandard steht."

Gesamtmetall: Grundlage für moderne Tarifabschlüsse

Wie eingangs erwähnt teilt auch die Arbeitgeberseite die positive Bewertung. Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger bezeichnete das Abkommen als "Meilenstein der Tarifgeschichte" und erklärte, es habe die Tarifautonomie erneuert und die Grundlage für moderne, differenzierte Tarifabschlüsse geschaffen. Für Bayern erklärte vbm-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt, das Abkommen habe wesentlich dazu beigetragen, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu steigern und damit Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen.

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