26.02.2014
Real mehr verdienen - nur mit Tarif

Die schlechte Nachricht: Die Entgelte der Beschäftigten in Deutschland insgesamt sind seit dem Jahr 2000 preisbereinigt um 0,7 Prozent zurückgegangen. Die gute Nachricht: Die realen Tariflöhne sind im selben Zeitraum um über acht Prozent gestiegen. Das Fazit: Das Tarifsystem bildet mehr denn je das Rückgrat einer positiven - und fairen - Lohnentwicklung.

Prozentuale Entwicklung der Reallöhne von 2000 bis 2013 (Quelle: WSI).

Preisbereinigter Verlust insgesamt ...

Die aktuelle Verteilungsbilanz des WSI-Tarifarchivs in der Hans-Böckler-Stiftung bringt es an den Tag: Spürbare Entgelterhöhungen in den vergangenen Jahren haben den langfristigen realen Rückgang noch nicht ganz ausgleichen können. Wer also im Jahr 2000 Kaufkraft im Wert von 1.000 Euro in der Tasche hatte, musste sich 13 Jahre später mit 993 Euro begnügen, oder, wie es die Wissenschaftler ausdrücken: "In der langfristigen Perspektive sind die durchschnittlichen Bruttolöhne je Beschäftigtem real gesunken."

... aber Anstieg für Tarifbeschäftigte

Diese Zahlen gelten allerdings für die Gesamtheit der Lohnentwicklung. Deutlich besser sieht es für Beschäftigte aus, die nach Tarif bezahlt werden. Die Tariflöhne und -gehälter haben sich insgesamt real um 8,2 Prozent nach oben entwickelt, statt Waren für 1.000 gibt es also mittlerweile welche für 1.082 Euro. "Das Tarifsystem war in der vergangenen Dekade mehr denn je das Rückgrat der Lohnentwicklung", fasst der Leiter des WSI-Tarifarchivs zusammen. Sorge bereitet ihm allerdings der abnehmende Gesamteinfluss des Tarifs aufs Gesamtsystem, sprich: immer mehr Unternehmen entziehen sich der Tarifbindung oder nutzen wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten Öffnungsklauseln.

Spielraum nach oben

Mit Blick auf die Verteilungsgerechtigkeit macht die WSI-Bilanz macht eine weitere interessante Tatsache deutlich. Die Einkommen aus Vermögen und Unternehmensgewinnen nämlich haben die aus der Beschäftigung, Wirtschaftskrise hin oder her weit hinter sich gelassen. Hier liegen zwar nur die nominalen, also nicht bereinigten Zahlen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung des statistischen Bundesamtes vor, die aber sind aussagekräftig genug. Vermögens- und Unternehmensgewinne stiegen demnach um 62 Prozent - Einkünfte aus Beschäftigung brachten es nominal mit 28 Prozent nicht einmal auf die Hälfte. Die WSI-Experten ziehen daraus einen klaren Schluss: "Bei der Lohnentwicklung ist noch Spielraum nach oben. Es ist vernünftig ihn zu nutzen, denn eine weitere Stärkung der Binnennachfrage brächte Deutschland und Europa mehr wirtschaftliche Stabilität."

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