23.01.2014
Unterbezahlung gefährdet Ihre Gesundheit

Einer von vielen guten Gründen für steigende Entgelte: Beschäftigte, die ihre Arbeit als zu niedrig und daher ungerecht bezahlt empfinden, sind einem höheren Krankheitsrisiko ausgesetzt als andere. Soziologen der Universität Bielefeld haben diesen Zusammenhang anhand umfangreicher Datensätze nachgewiesen.

Die Daten, 26.500 Beobachtungen von über 12.000 abhängig Beschäftigten 2005 bis 2011, bezogen die Forscher aus dem renommierten sozio-oekonomischen Panel (SOEP) des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung in Berlin. Und sie betätigten die vorherige These, dass ungerechte Bezahlung nicht nur unzufrieden macht, sondern auch krank. Mit anderen Worten: Es gibt "deutliche Hinweise auf eine Verschlechterung des subjektiv wahrgenommenen Gesundheitszustands, wenn das Erwerbseinkommen als zu niedrig wahrgenommen wird".

Soziale Gratifikationskrisen ...

Als Maßstab dafür, welches Einkommen als angemessen bewertet wird, dienen dabei Vergleiche mit im unmittelbaren beruflichen und privaten Umfeld sowie branchenüblichen Löhnen. Deutliche Abweichungen nach unten führen zu dem, was die Soziaologen einen "soziale Gratifikationskrise" nennen und in der Folge zu Stressreaktionen, welche wiederum den Boden für psychischen und physische Erkrankungen bereiten.

Über ein Drittel der Befragten fühlt sich in diesem Sinne zu niedrig entlohnt, wobei bestimmte Gruppen - etwa Geringqualifizierte und LeiharbeitnehmerInnen - besonders stark betroffen sind. Deutliche Unterschiede bestehen auch regional, in Ostdeutschland beispielsweise ist die Unzufriedenheit stärker verbreitet als in Westdeutschland. Generell wächst der Anteil derer, die sich als unterbezahlt wahrnehmen, je niedriger das tatsächliche Entgelt ist: Unter Beschäftigten mit einem Verdienst unter dem derzeit diskutierten Mindeststundenlohn von 8,50 Euro liegt er über 50 Prozent.

... mit negativem Effekt auf die Gesundheit

Als Folge des Eindrucks, ungerecht bezahlt zu werden, konstatieren die Wissenschaftler "merkliche gesundheitliche Konsequenzen". Von den Betroffenen beschreiben nur 57 Prozent ihre Gesundheit als als gut oder sehr gut, bei anderen sind es knapp 62. Zu diesem subjektiven Empfinden addieren sich gesundheitliche Ungleichheiten, die durch andere Studien bereits als Tatsache etabliert wurden: Grundsätzlich ist die Höhe des Einkommens mit höheren Erkrankungsrisiken verbunden.


» Ausführliche Darstellung in "Böckler Impuls" 1/2014

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