06.12.2013
Kampf der totalen Erreichbarkeit

Vor knapp zwei Jahren begann Volkswagen auf Basis einer entsprechenden Betriebsvereinbarung, die Zustellung von E-Mails auf Dienst-Handys außerhalb der Gleitzeit zu unterbinden. Der Vorstoß zum Schutz der Beschäftigten vor ständiger Erreichbarkeit erweist sich als voller Erfolg.

Breite Zustimmung

Laut einer Meldung der dpa vom 29. November wurde der Kreis der Betroffenen daher mittlerweile von anfangs rund 1.100 auf 3.500 Tarifbeschäftigte ausgeweitet. Aus Sicht des Gesamtbetriebsrates stößt das Vorgehen nahezu ausnahmslos auf Zustimmung und positive Resonanz, so ein Sprecher: "Die Regelung hat sich durchweg in der Praxis bewährt." Laut dpa ist auch das VW-Management zufrieden mit dem Erfolg der Vereinbarung. Sie zitiert Personalvorstand Horst Neumann, der schon nach dem ersten halben Jahr erklärte: "Die Regelung wurde von Vorgesetzten wie Mitarbeitern als klares Zeichen verstanden, Erholungszeiten zu respektieren und den Feierabend nur im Notfall zu durchbrechen."

Ruhe auf dem Display

Die Betriebsvereinbarung sieht vor, dass die Server für Internet und E-Mails des Unternehmens außerhalb der Kernzeiten praktisch abgeschaltet sind. Damit herrscht der Woche von 18 Uhr 15 bis 7 Uhr sowie am Wochenende Ruhe auf dem Smartphone-Display, das sprichwörtliche "eben noch paar Mails Abarbeiten" findet nicht statt. Die normale Telefonfunktion hingegen bleibt erhalten, so dass in echten Notfällen die Kontaktaufnahme noch möglich bleibt - aber eben nur dann.

IG Metall fordert gesetzliche Regelung

VW setzt mit dieser Regelung angesichts der trotz etlicher Lippenbekenntnisse ausbleibenden politischen Regelungen ein Zeichen gegen den wachsenden Druck zur uneingeschränkten Verfügbarkeit. Die IG Metall drängt schon lange auf eindeutige und allgemeinverbindliche gesetzliche Richtlinien. Der neue erste Vorsitzende Detlef Wetzel nahm die neue Regierung dafür erneut in die Pflicht und betonte: "Die Digitalisierung darf nicht dazu führen, dass Arbeitnehmer rund um die Uhr erreichbar sind. Es gibt ein Recht auf planbare Freizeiten. Die neue Koalition muss hier strenge Regeln gegen Stress im Job und zu Hause vereinbaren."

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