05.12.2013
Arbeitskosten im Mittelfeld

Auch wenn der Druck etwas nachgelassen hat: Arbeitgeber argumentieren immer noch gern mit den angeblich zu hohen Arbeitskosten in Deutschland. Die offizielle Statistik der Europäischen Union entzieht derlei Behauptungen die Grundlage und legt eine Verbesserung des Ungleichgewichts nahe.

Arbeitskosten in Euro pro Stunde in der Privatwirtschaft.

Moderate Entwicklung ...

Wie die Hans Böckler-Stiftung am Montag auf Basis der neuesten EU-Zahlen mitteilte, hat sich Deutschland in der Rangfolge der Arbeitskosten einen Platz nach hinten auf den nunmehr achten verschoben. Höhere Arbeitskosten in der Privatwirtschaft gibt es unverändert bei etlichen wichtigen Handelspartnern, darunter Frankreich, Holland und Belgien; deutlich niedriger liegen sie, wie nicht anders zu erwarten, vor allem in den Krisenländern Südeuropas.

...  mit Risiken und Nebenwirkungen

In der Entwicklung waren die deutschen Arbeitskosten bis zur Wirtschaftskrise tendenziell eher langsam, steigen aber in jüngster Zeit wieder etwas über dem EU-Durchschnitt. Die Wirtschaftsexperten bewerten diesen Effekt keineswegs als alarmierend, sondern als eher noch zu moderate Normalisierung - aus ihrer Sicht müsste der Anstieg spürbar stärker sein, um das für die ganz EU riskante Ungleichgewicht auszugleichen, das bei den anderen Ländern berechtigte Kritik provoziert: "Es ist im deutschen Interesse, diese Kritik ernst zu nehmen. Erfolg im Außenhandel ist sehr wichtig. Aber er wird nicht dadurch erreicht, dass ein Land seine Überschüsse immer weiter maximiert", betonte Prof. Dr. Gustav A. Horn, Wissenschaftlicher Direktor des Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung.

Neben den negativen Folgen für das Gleichgewicht innerhalb der EU verweist er auch auf Risiken der zu zurückhaltenden Lohnentwicklung für die nationale Wirtschaft Risiken und fordert eine deutliche Korrektur: "Viele Ökonomen und Politiker in Deutschland waren extrem fixiert auf möglichst niedrige Arbeitskosten. Die Kehrseite bildete eine schwache Entwicklung bei Löhnen, Binnennachfrage, Importen und Investitionen. All das hat unserer wirtschaftlichen Basis nicht gut getan. [...] Höhere Löhne bei stabiler Beschäftigungsentwicklung schaffen die Voraussetzungen für einen relativ kräftigen privaten Konsum. Das stützt unsere Wirtschaft.""

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