19.11.2013
Konflikt bei KraussMaffei

KraussMaffei beschäftigt im mittelfränkischen Treuchtlingen rund 160 Menschen, die Komponenten für Kunststoff-Spritzgießmaschinen fertigen. Jetzt sollen das Werk geschlossen und die Fertigung anderenorts konzentriert werden. Die Belegschaft und die IG Metall reagieren mit massivem Protest und wissen eine breite Mehrheit in Politik und Bevölkerung hinter sich.

"Zufriedene, hochmotivierte Mitarbeiter"?

"Unser Ziel ist es, kompetente, zufriedene und hochmotivierte Mitarbeiter lange an das Unternehmen zu binden", heißt es auf der KraussMaffei-Internetseite zum Stichwort "Nachhaltigkeit und Verantwortung" und zum Thema "Karriere": "Wir wissen, dass wir unseren Erfolg und unsere Leidenschaft für den Kunststoffmaschinenbau rund 4.000 kompetenten und engagierten Menschen verdanken, die weltweit für uns tätig sind."

Stimmung am Boden

Für die Treuchtlinger ist das seit Bekanntgabe der Schließungs- und Verlagerungpläne schwer nachzuvollziehen. Jahrelang habe man gute Qualität und hochwertige Teile produziert, erklärt der Betriebsratsvorsitzende Siegfried Stöbich, jetzt sei die Stimmung am Boden. KraussMaffei, seit dem Jahr 2012 im Besitz des amerikanischen Finanzinvestors Onex, begründet seinen Entschluss mit dem Standardargument der Wettbewerbsfähigkeit, für deren Erhalt man die Fertigung bis März 2015 in München und dem slowakischen Sucany bündeln müsse. Einem Teil der Treuchtlinger Belegschaft soll angeboten werden, mit nach München zu wechseln - bei einer Entfernung von rund 150 Kilometern dürfte das allerdings für die meisten kaum attraktiv sein.

Protest mit solidarischer Unterstützung

Der Protest führte bereits kurz nach der Bekanntgabe durch das Management zu einer beachtlichen Kundgebung von rund 400 Menschen. Die überwältigende Mehrheit der Beschäftigten, Familienangehörige und andere Treuchtlinger demonstrierten am 14. November. Solidarische Unterstützung kam mit zwei vollen Bussen aus dem Münchner KraussMaffei-Standort, wo man in den Plänen ebenfalls keinen Sinn sieht. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Peter Krahl bezeichnete sie als Fehlentscheidung und forderte: "Stoppen Sie diesen Wahnsinn!"

Jacky Horn, erster Bevollmächtigter der IG Metall in Ingolstadt und Schwabach, kritisierte den Schließungsbeschluss mit Blick auf Onex als "brutalste Form, schnell Geld zu verdienen", mit nachhaltiger Industriepolitik habe dergleichen nichts zu tun. Er kündigte an, man strebe eine tarifliche Lösung an, wobei keine Möglichkeiten ausgeschlossen werden.

Mit im Boot sind auch der Treuchtlinger Bürgermeister Werner Baum, einer der Sprecher bei der Protestkundgebung, sowie Landrat Gerhard Wägemann. Letzterer bat sich in einem offenen Brief Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer und die frischgebackene Wirtschaftsministerin Ilse Aigner um Unterstützung und verwies auf die verheerenden Folgen einer Schließung nicht nur für die Betroffenen, sondern für den gesamten strukturschwachen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen.

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