30.10.2013
Innovativer durch Mitbestimmung

Innovationskraft ist als Wettbewerbsvorteil wichtiger als Kostensenkungen - unter anderem auf diesem Prinzip beruht oft die Arbeitnehmerposition in betrieblichen Auseinandersetzungen um Restrukturierungen. Eine Studie belegt, dass die Beteiligung der Arbeitnehmervertretungen eine wichtige Rolle bei der Einführung von Neuerungen spielt.

"Mit einem Betriebsrat im Rücken, der harte, aber konstruktive Auseinandersetzungen mit der Geschäftsführung nicht scheut, sind die Mitarbeiter eher bereit, sich auf Innovationen einzulassen" - so lautet das Fazit einer neuen, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Untersuchung in 46 Unternehmen.

Anspruchsvolle Beteiligung

Wissenschaftler der Berliner Humboldt-Universität haben die Rolle von Beschäftigten und ArbeitnehmervertreterInnen im Innovationsprozess unterschiedlicher Produktions- und Dienstleistungsbranchen untersucht. Interviews mit Management und Arbeitnehmervertretung wurden qualitativ und quantitativ ausgewertet und führten zu einer deutlichen Erkenntnis: "Betriebliche Mitbestimmung leistet insgesamt einen konstruktiven Beitrag zur Innovativität von Unternehmen. Eine stärkere Betriebsratsbeteiligung geht mit einem höheren Innovationserfolg einher." Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang zusätzlich, dass die Einschätzungen von Betriebsräten und Arbeitgebervertretern keine großen Unterschiede enthielten, überraschenderweise jedoch die Arbeitnehmerseite mit den Ergebnissen der Innovationsvorhaben meist weniger zufrieden waren als die Arbeitgeber.

Wissen und Können der Beschäftigten

Einer der Schlüsselpunkte der Mitbestimmung in Innovationsprozessen ist die Rolle der Betriebsräte beim Ausräumen aktiver und passiver Widerstände in der Belegschaft, wodurch Wissen und Können der Beschäftigten stärker berücksichtigt werden. Die Betriebsräte selbst geben Innovationen Impulse als "Anwalt für sozial verträgliche und wirtschaftlich sinnvolle Neuerungen", unter anderem durch "Innovationsbündnisse" in Form von Betriebsvereinbarungen oder Rahmenrichtlinien in Tarifverträgen.

Starke Betriebsräte gefordert

Eine letzte Erkenntnis der Berliner Wissenschaftler schließlich bestätigt eine weitere gewerkschaftliche Überzeugung: Im Sinne einer Lösung konstruktive Auseinandersetzungen setzen eine Ausgewogenheit der Seiten voraus, mit anderen Worten: "Nur starke Betriebsräte sind zu einer konstruktiven Konflikthandhabung mit ihren positiven Folgen für beide Seiten in der Lage." Unter starken Betriebsräten sind der Studie zufolge solche zu verstehen, die nicht nur nach eigener Einschätzung einflussreich sind, sondern auch nach der des Managements.

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