01.08.2013
IG Metall Bayern: Fachkräfte binden, nicht verprellen

(Pressedienst 41 / 2013) Die am 31. Juli in Nürnberg vorgestellten Zahlen der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit für den abgelaufenen Monat bestätigen erneut den Trend einer im Vorjahresvergleich rückläufigen Arbeitskräftenachfrage im Freistaat. Dennoch nutzen die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) und der Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie (vbm) beharrlich jede Gelegenheit, einen Fachkräftemangel mit angeblich dramatischen Folgen zu prognostizieren.

Als Instrument der Fachkräftesicherung versuchen sie in diesem Zusammenhang unter anderem, eine Arbeitszeitverlängerung in die Diskussion einzubringen. Ein von beiden Verbänden gemeinsam erstelltes „Aktionsprogramm Fachkräftesicherung“ benennt als eines von fünf Handlungsfeldern scheinbar neutral „Arbeitszeiten“. Inhaltlich wird dieses Feld allerdings auf Faktoren reduziert, mit denen die Arbeitsbedingungen in mehrfacher Hinsicht verschlechtert würden; explizit nennen vbw und vbm die Umsetzung längerer Wochenarbeitszeiten und längere Lebensarbeitszeiten.

Die IG Metall Bayern erteilt diesen Ansätzen eine klare Absage, erklärte ihr Bezirksleiter Jürgen Wechsler am 1. August in München: „Fachkräfte sichert man durch hochwertige Aus- und Weiterbildung, die Erschließung brachliegender Potenziale und attraktive Arbeitsbedingungen. Der Versuch, durch die Hintertür die tariflichen Arbeitszeiten aufzuweichen und obendrein Scheinargumente für die Rente mit 67 zu schaffen, bewirkt eher das Gegenteil: Er schreckt mögliche Interessenten ab.“

Nicht ausschließen lässt sich nach Einschätzung der IG Metall Bayern zudem, dass die Arbeitgeberverbände den Fachkräftemangel übertrieben darstellen, um die Rahmenbedingungen nach ihren Vorstellungen zu beeinflussen. Tatsächlich ist ein Mangel im dabei suggerierten Umfang wissenschaftlich kaum nachzuweisen. Ein wesentlicher Gegenindikator ist nach Überzeugung vieler Wirtschaftswissenschaftler hingegen die Entgeltentwicklung, die nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage im Falle eines wirklichen Mangels weitaus steiler nach oben zeigen müsste, als sie dies real tut.

Zweifel an der korrekten Darstellung des Sachverhalts wecken zudem manche Verhaltensweisen der Arbeitgeberverbände. So befürworten sie in ihrem „Aktionsprogramm“ nachdrücklich befristete Beschäftigungsverhältnisse. In der Beschäftigtenbefragung der IG Metall, an sich im Frühjahr 2013 allein in Bayern über 120.000 Menschen beteiligt haben, gaben 99 Prozent der Befragten an, ihnen sei ein unbefristetes Arbeitsverhältnis sehr wichtig (88%) oder wichtig (11%). Ein anderes Beispiel ist der vehemente Widerstand der Arbeitgeber gegen die von der IG Metall geforderte unbefristete Übernahme von Ausgelernten in der Metall- und Elektrotarifrunde 2012. Mittlerweile wird diese Übernahme in rund zwei Dritteln der Betriebe praktiziert, ohne dass irgendwelche negativen Folgen für die Ausbildungsbereitschaft erkennbar sind.

Wechsler fasst zusammen: „Wer sich ernsthaft Sorgen um nicht-besetzbare Stellen macht, sollte eigentlich alles tun, um die vorhandenen Kräfte an sich zu ziehen und zu binden - anstatt sie auf Distanz zu halten.“

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