31.07.2013
Führungswechsel bei Siemens

Der Aufsichtsrat der Siemens AG hat am Mittwoch Morgen einstimmig den bisherigen Finanzchef Joe Kaeser als neuen Vorstandsvorsitzenden bestellt. Die Arbeitnehmerseite trägt den Wechsel mit und fordert, nun nach vorne zu blicken: Weg von kurzfristigem Renditedruck, zurück zu Stabilität und den bewährten Werten und Stärken von Siemens.

Peter Löscher und Joe Kaeser.

Siemens gab den durch viel Medienrummel begleiteten Wechsel in einer Pressemitteilung bekannt. Kaeser ist demnach ab dem 1. August 2013 Vorstandsvorsitzender, Löscher legt sein Mandat mit Ablauf des 31. Juli nieder und verlässt den Siemens-Vorstand. Dennoch soll er dem Unternehmen verbunden bleiben, unter anderem als Stiftungsratsvorsitzender der Siemens-Stiftung. Kaeser betonte, Siemens sei "bestimmt nicht in einer Krise und auch kein Sanierungsfall". Nun will er Siemens in ein ruhiges Fahrwasser zurückführen.

Abschied von kurzfristig getriebenem Renditedruck

Für die Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat äußerten sich Berthold Huber, Erster Vorsitzender der IG Metall, und Lothar Adler, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Siemens AG, in einer gemeinsamen Presseerklärung. Huber erklärte in München, Siemens als einer der größten Technologiekonzerne der Welt müsse nun wieder Innovation und Qualifikation statt Rendite in den Mittelpunkt stellen: "Siemens muss wieder ins Gleichgewicht kommen und wird das nur schaffen, wenn man sich von kurzfristig getriebenem Renditedruck verabschiedet."

Vom neuen Vorstandsvorsitzenden Joe Kaeser verlangen die ArbeitnehmerInnen ein Bekenntnis zur Mitbestimmung und den geltenden Vereinbarungen sowie die Fortsetzung der konstruktiven Zusammenarbeit. Adler forderte einen schnellen Neuanfang gemeinsam mit der Arbeitnehmerseite: "Wir erwarten von ihm, dass er die Stärken von Siemens wieder in den Mittelpunkt rückt - engagierte Mitarbeiter, Innovationsgeist und Technologiekompetenz. Wir müssen von einer rein margengetriebenen Portfoliopolitik wegkommen. Wir brauchen eine Unternehmenskultur, bei der Offenheit und Vertrauen über alle Hierarchieebenen gelebt werden."

Ergänzend zur Presseerklärung gaben die Arbeitnehmervertreter im Siemens-Aufsichtsrat eine gemeinsame Erklärung zur Aufsichtsratssitzung am 31. Juli ab. Darin drücken sie ihren Respekt vor der Leistung Löschers aus, der ihnen stets auf gleicher Augenhöhe und mit Achtung vor der Mitbestimmung begegnet ist.  Gleichzeitig verweisen sie allerdings auch auf das von Löscher lancierte Programm "Siemens 2014", die damit verknüpfte Renditeorientierung und den Abbau tausender Arbeitsplätze. Von der damit verbundenen Fehlentwicklung muss sich Siemens jetzt abwenden.

Abschließend ist in auch diesem Zusammenhang natürlich auf die Strategie "Siemens 2020" hinzuweisen, mit der Gesamtbetriebsrat und IG Metall bereits zu Jahresbeginn eine Alternative zu "Siemens 2014" auf den Weg gebracht haben. Deren Motto "Mensch vor Marge" beschreibt unverändert den Weg der Arbeitnehmerseite: "Wir haben hervorragende Mitarbeiter, Technologien und Produkte. Nun gilt es, diese wieder in den Mittelpunkt zu stellen und mit einem neuen Vorstandsvorsitzenden einen Neuanfang zu gestalten! Der Gesamtbetriebsrat, die IG Metall und die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat sind dazu bereit."

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