25.07.2013
Niedriglohn: kein Zusammenhang mit Arbeitslosenquote

Klingt wie geplant, ist es aber nicht: Kurz nach unserer Kritik an den vbm-/vbw-Behauptungen (siehe Artikel "Reduziert, pauschalisiert, komprimiert") zu einem angeblichen ursächlichen Zusammenhang zwischen Mindestlohn und Arbeitslosigkeit veröffentlicht das IAB eine Studie zu diesem Themenbereich. Sie stellt unter anderem fest, dass ein solcher Zusammenhang wissenschaftlich nicht nachweisbar ist.

Niedriglohnquoten in 17 EU-Ländern 2010.

Zweithöchster Anteil von Geringverdienern

Deutschland bescheinigt die Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)im internationalen Vergleich einen hohen Anteil von Geringverdienern. Der ist besonders auffällig bei Einbezug aller Beschäftigten, aber auch bei der Beschränkung auf Vollzeitbeschäftigte liegt er im internationalen Vergleich relativ hoch.

Als Geringverdiener im wissenschaftlichen Sinne gilt, wer weniger als zwei Drittel des nationalen Medianlohnes verdient; in Deutschland lag diese Grenze im Untersuchungsjahr 2010 bei einem Stundenlohn von 9,54 Euro. Schlägt man von diesen Werten den Bogen zum Mindestlohn, würde der mit einer Höhe von beispielsweise 8,50 Euro nicht einmal diesen Median erreichen, wohl aber die darunter liegenden Betroffenen auf ein etwas weniger prekäres Entgelt anheben.

Mindestlohn ≠ sinkende Beschäftigung

Insgesamt legt der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten in Deutschland  schon seit den 90er Jahren deutlich zu, was aber nicht zu den erhofften Folgen für die Beschäftigungsentwicklung führt. Aus arbeitsmarktpolitischer Sicht sei zu fragen, so auch das IAB, ob mehr Niedriglohnjobs für Beschäftigungsgewinne sorgen und die Arbeitslosigkeit reduzieren können. Die Antwort auf diese entscheidende Frage: "Im Ländervergleich lässt sich nicht feststellen, dass ein größerer Anteil von Geringverdienern mit einer niedrigeren Arbeitslosigkeit und einem höheren Beschäftigungsstand einhergeht." Andersherum formuliert: Ein Mindestlohn geht nicht mit einer höheren Arbeitslosigkeit einher.

Unstrittig sind hingegen die gerade von den Gewerkschaften immer wieder angeprangerten negativen sozialen Faktoren. Die zunehmende Verbreitung von Niedriglöhnen wird nach Überzeugung der Arbeitsmarktforscher "als Teil eines breiteren gesellschaftlichen - und sozialpolitisch problematischen - Trends zur Polarisierung der Erwerbseinkommen gesehen". Das Fazit: Aussagen, ein gesetzlicher Mindestlohn würde sich unmittelbar negativ auf die Beschäftigung auswirken, sind kaum mehr als ein durch seine Gegner konstruiertes Drohszenario.

» die IAB-Studie im Internet

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