14.06.2013
Energiewende: IG Metall fordert aktives Handeln

Energiewende jetzt! - unter dieser Überschrift veröffentlicht die IG Metall derzeit Anzeigen in großen Tageszeitungen. Gemeinsam mit zahlreichen Betriebsräten fordert sie darin die Politik mit Nachdruck auf, das gesellschaftliche, wirtschaftliche und technologische Jahrhundertprojekt aktiv anzupacken.

Fuß von der Bremse

Konkret wendet sich die Anzeige als offener Brief an die Bundeskanzlerin, den Umwelt- und den Wirtschaftsminister. Sie sind aufgefordert, sich der gewaltigen Herausforderung der Energiewende aktiv zu stellen, statt dem zunehmenden Zögern und Zaudern tatenlos zuzusehen: "Stehen Sie nicht auf der Bremse, sondern gestalten Sie die Zukunft mit uns. Erarbeiten Sie einen Masterplan, um die Energiewende zu einem industriellen Erfolg zu machen." Der Hintergrund: Tatsächlich wird an vielen Stellen weit mehr über die Energiewende geredet, als für sie getan wird.

Alternativkonzept made by Siemens

Es gibt jedoch auch Unternehmen, in denen man die Herausforderungen bereits annimmt und sich auf sie einstellt - zum Beispiel Siemens. Für Deutschlands größten Elektrokonzern sind die "Green Markets" ein wichtiges und potenziell äußerst lukratives Geschäftsfeld. Vor diesem Hintergrund lud Siemens Anfang Juni zu einem mehrtägigen Energiewende-Dialog in Berlin, bei dem unter anderem ein Drei-Punkte-Plan zur Energiewende - Umbau des Strommarktes, Steigerung der Energieeffizienz, Europäische Koordination der Energiewende  - für viel öffentliche Aufmerksamkeit sorgte.

Schrumpfkur für die Ziele?

Aus Sicht der IG Metall Bayern ist die Forderung nach einer europäischen Koordination der Energiewende und einer Steigerung der Energieeffizienz begrüßenswert. Andere Aspekte hingegen betrachtet sie kritisch: Auch für Bayern hat Siemens ein Alternativkonzept vorgelegt, das sich auch gegen Teile des Konzeptes "Energie Innovativ" des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie richtet. Dieses Konzept zielt bis zum Jahr 2021 auf einen Anteil Erneuerbarer Energien von 50 Prozent ab - Siemens jedoch empfiehlt ein erhebliches Absenken dieses Zieles auf 40 Prozent. Darüber hinaus soll nach diesem Ansatz der Ausbau von Photovoltaik schlicht gestoppt werden.

Siemens setzt stattdessen verstärkt auf Gas und vor allem auf einen höheren Anteil von Windenergie - der Blick auf das Unternehmensportfolio wirft die Frage auf, ob dabei ausschließlich objektive Überlegungen der Vater der Idee waren. Diskussionsbedarf entsteht auch durch den Hinweis, dass im unternehmenseigenen Konzept die CO2-Emissionen in Bayern pro Kopf unter dem deutschen Durchschnitt liegen; der Haken bei der Sache: er würde trotzdem noch oberhalb der im Konzept "Energie Innovativ" angestrebten Grenze liegen.

Viel Diskussionsbedarf

Ein weiterer Aspekt schließlich unterstreicht eindrucksvoll, wieviel Diskussionsbedarf es noch zur Umsetzung der Energiewende gibt: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer sprach sich Medienberichten zufolge Mitte Juni für eine drastische Ausweitung der Mindestabstände von Windrädern zur Wohnbebauung aus. Sollten diese wie berichtet tatsächlich auf das zehnfache der Anlagenhöhe festgelegt werden, würde dies den eigentlich angestrebten Ausbau der bayerischen Windenergie in der Praxis zum Kippen bringen.

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