06.06.2013
"Die Weiterbildungsverlierer"

Atypisch Beschäftigte haben ohnehin mit einer Vielzahl von Nachteilen zu kämpfen. Eine Studie konstatiert solche nun auch im Bereich der an sich gerade für diese rasant wachsende Gruppe besonders wichtigen beruflichen Weiterbildung.

Immer weniger Weiterbildung ...

... für immer mehr atypisch Beschäftigte (Quelle: Bertelsmann Stiftung).

Benachteiligt und ohne Aufstiegschancen ...

Gerade von der bisweilen wegen ihrer neoliberalen Positionen kritisierten Bertelsmann Stiftung erhalten Aussagen wie diese besonderes Gewicht: "Die auf Zeit verliehenen Arbeitnehmer sind in dieser Hinsicht die Verlierer der vergangenen Jahre." Und was für LeiharbeiterInnen in besonders hohem Maß gilt, betrifft auch andere prekär Beschäftigte: "Atypisch Beschäftigte sind bei der Weiterbildung benachteiligt. Damit werden ihnen Chancen auf beruflichen Aufstieg vorenthalten."

... sind immer mehr ArbeitnehmerInnen

Die Stiftung ließ für ihre Studie* die Weiterbildungsaktivitäten und -ansprüche atypisch Beschäftigter der vergangenen drei Jahre untersuchen und auswerten. Das Ergebnis erfüllt die schlimmsten Erwartungen: Blieb der Anteil von ArbeitnehmerInnen mit Teilnahme an berufsbezogener Weiterbildung insgesamt praktisch konstant, fielen atypisch Beschäftigte massiv zurück. Dass deren Anzahl insgesamt in den vergangenen zehn Jahren um rund 1,8 Millionen auf nunmehr knapp ein Viertel aller ArbeitnehmerInnen in Deutschland stieg, wird in diesem Zusammenhang beinahe beiläufig erwähnt.

Mythos Sprungbrettfunktion

Experten der Stiftung warnen, diese Benachteiligung beeinträchtige auch die von Befürwortern "flexibler" Arbeitsformen trotz vieler Zweifel stets vorgeschobene "Sprungbrettfunktion" aus atypischer in reguläre Beschäftigung. Darüber hinaus sehen sie einen gesamtwirtschaftlich kritischen Aspekt: "Gerade der sich abzeichnende Fachkräftemangel lässt es sinnvoll erscheinen, in die Weiterbildung dieser Arbeitnehmer stärker zu investieren."

Kein Wunder, dass es vor diesem Hintergrund um die Zufriedenheit der Betroffenen mit ihren Fortbildungschancen schlecht bestellt ist. Rund 40 Prozent sind unzufrieden damit, im Vergleich zu 24 Prozent der regulär Beschäftigten. Diese Aussage entkräftet die pauschale Schutzbehauptung, prekär Beschäftigte wollten ohnehin kaum etwas für ihre Qualifikation tun: "Das angebliche Desinteresse von atypisch Beschäftigten an Weiterbildung ist damit widerlegt - sie wünschen sich sehr wohl mehr Bildungsbeteiligung."


* "Die Weiterbildungsverlierer" von Lutz Bellmann, Wirtschaftsprofessor an der Universität Nürnberg-Erlangen und Forschungsbereichsleiter am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Download der Zusammenfassung / der vollständigen Studie als PDF.

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