24.04.2013
Der Druck steigt

Wenn die Verbände der Krankenkassen ihre Gesundheitsberichte vorlegen, liefert eine Entwicklung regelmäßig Stoff für erregte Diskussionen: Psychische Krankheiten als Folge beruflicher Belastung nehmen seit Jahren linear zu. Konkrete Konsequenzen sind bislang dennoch Mangelware, wie die IG Metall auf ihrem "Anti-Stress-Kongress" kritisiert.

(Forsa-Umfrage April 2013, 1002 Befragte)

Grenzen der Belastbarkeit

Zum Auftakt des zweitägigen Kongresse stellte die IG Metall am Dienstag in Berlin die Ergebnisse einer aktuellen Forsa-Umfrage zur Stressbelastung im Beruf vor. Demnach stoßen immer mehr Beschäftigte an ihre psychischen und körperlichen Belastungsgrenzen und wollen mehr Schutz von Arbeitgeber und Politik. Die IG Metall verstärkt vor diesem Hintergrund erneut ihre Forderung nach einer Anti-Stress-Verordnung, für die sie bereits im vergangenen Jahr einen Entwurf vorgelegt hat.

Nötig sind konkrete Regelungen zu den zentralen Gefährdungsfaktoren psychischer Belastung - vor allem Arbeitsorganisation, Arbeitszeit und Führungsverhalten. Die Initiative wurde mittlerweile in mehreren Bundesländern aufgegriffen, die sie Anfang Mai in den Bundesrat einbringen wollen, die SPD nahm sie in ihr Wahlprogramm auf. Ein Grund dafür ist wohl die immer eindeutigere Dringlichkeit, die durch die Forsa-Umfrage ein weiteres Mal bestätigt wird: 88 Prozent der Beschäftigten fordern mehr Schutz vor Leistungsdruck und gesundheitsschädigendem Stress von den Unternehmen, 69 Prozent wollen klarere Vorgaben durch die Politik.

Handeln statt Sonntagsreden

Gezielte Kritik richtet sich an Bundesarbeitsministerin von der Leyen, die die Problematik anscheinend weiter aussitzen will, obwohl Appelle und die Hoffnung auf effektive Selbstregulierung in den Unternehmen offenkundig ins Leere laufen; Ende Februar reichte es nicht einmal für eine gemeinsame Absichtserklärung von Ministerin, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden (siehe Schluss mit dem Bremsen).

Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, fasst an die Adresse der Ministerin gerichtet zusammen: "Deutschlands Arbeitnehmer brauchen dringend eine Anti-Stress-Verordnung, bevor Leistungs- und Zeitdruck am Arbeitsplatz ins Grenzenlose steigen und immer mehr Menschen kaputt machen. Die bestehenden Regelungen im Arbeitsschutzgesetz reichen bei Weitem nicht aus. Wir haben die Hoffnung noch nicht ganz verloren, dass die Arbeitsministerin wenigstens ein einziges Mal ihren warmen Worten konkrete Taten folgen lässt."

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