17.04.2013
Tag des Ausbildungsplatzes: vor allem Appelle

Für den 17. April hat die Bundesagentur für Arbeit, unterstützt vom Ausbildungspakt aus Industrie- und Arbeitgeberverbänden sowie der Bundesregierung, den mittlerweile 18. "Tag des Ausbildungsplatzes" ausgerufen. Der Anlass scheint ein weiteres Mal vor allem der Image-Pflege zu dienen - der DGB kritisiert zum selben Anlass, die Ausbildungsbereitschaft befinde sich auf einem historischen Tiefstand.

Auch in ihrer gemeinsamen Pressemitteilung beschränken sich die Partner des Ausbildungspaktes also vor allem auf eifrige Appelle und Versicherungen: "Als Partner des Ausbildungspaktes setzen wir uns dafür ein, allen ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen Jugendlichen ein Angebot auf Ausbildung oder Qualifizierung zu machen und im Sinne der Fachkräftesicherung alle Potenziale auf dem Ausbildungsmarkt zu erschließen. [...] Wir appellieren an Unternehmen, Freiberufler und Behörden: Sichern Sie rechtzeitig Ihren Fachkräftenachwuchs! Schaffen Sie Ausbildungsplätze! [...]"

Der Appell wirft ein bezeichnendes Licht auf die Situation, richtet er sich doch faktisch an die eigene Adresse, nämlich die Mitglieder der zahlreichen Träger des Ausbildungspaktes. Einen Appell bekommen auch die Jugendlichen, gepaart mit der Aufforderung zu maximaler Flexibilität: "Bewerben Sie sich rechtzeitig und intensiv! [...] Es gibt in der Regel mehr als einen Wunschberuf. Oft lohnt sich auch ein Blick in eine andere als die unmittelbare Heimatregion."

Was bei näherem Hinschauen etwas hilflos klingt, stößt auf massive Kritik des DGB. In seiner Pressemitteilung erklärte die stellvertretende Vorsitzende Ingrid Sehrbrock am Mittwoch in Berlin: "Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe befindet sich auf einem historischen Tiefstand. Im Jahr 2012 wurden nur 548.100 Ausbildungsverträge abgeschlossen - das sind 3,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Seit der Wiedervereinigung hat es nur 2005 einen niedrigeren Stand gegeben. Fast nur noch jeder fünfte Betrieb bildet aus. Mit 21,7 Prozent hat die Ausbildungsbetriebsquote den niedrigsten Stand seit 1999 erreicht."

Das Fazit dieser desolaten Bilanz liegt auf der Hand: "Der Ausbildungspakt hat sein Versprechen gebrochen,  mehr Jugendlichen eine Ausbildung zu ermöglichen." Das gilt sowohl für große Teile der Wirtschaft, die über Fachkräftemangel jammmert und gleichzeitig den Nachwuchs vernachlässigt, als auch für die Politik, die Betrieben und Auszubildenden zu wenig Unterstützung anbietet.

Ausnahmen bilden nur einzelne Bereiche, nicht zuletzt dank gewerkschaftlicher Initiativen und des Engagements vieler Betriebsräte. Die IG Metall hat in vielen Bezirken zahlreiche Tarifverträge zur Förderung der Beschäftigungschancen oder der Ausbildungsfähigkeit mit den Arbeitgebern geschlossen, ganz zu schweigen von Erfolgen wie der Durchsetzung einer grundsätzlichen Pflicht zur unbefristeten Übernahme. Meldet dann beispielsweite der Verband der bayerischen Metall- und Elektroindustrie einen neuen Ausbildungsrekord, zeigt das vor allem eines: Es geht - wenn man wirklich will.

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