15.04.2013
Kinderdemo gegen Stellenabbau

Beim Kitzinger Automobilzulieferer Fehrer sollen 500 Arbeitsplätze dem Rotstift zum Opfer fallen. Vergangenen Samstag protestierten rund 1.000 Menschen dagegen, angeführt von Kindern der betroffenen Beschäftigten und unter lautem Läuten der örtlichen Kirchenglocken.

Kinder vorneweg

Langer Zug ...

... zum Kitzinger Marktplatz.

Breite Unterstützung für den Protest

Die eindrucksvolle Demonstration zog mit Fahnen, Transparenten, Trillerpfeifen, Ratschen, Trommeln und Sirenen durch die Innenstadt über die Alte Mainbrücke zum Marktplatz, um ein öffentliches Zeichen gegen den geplanten Kahlschlag zu setzen.

An der Spitze des langen Zuges liefen die Kinder vieler Fehrer-Mitarbeiter, gefolgt von den Betroffenen selbst. Unterstützt wurden sie durch solidarische Abordnungen der Firmen Leoni, Reka, Spillner, Rexroth aus Volkach und Franken-Guss, die eigens für diesen Zweck an diesem Tag Sonderschichten in ihrem Betrieb abgelehnt hatten. VertreterInnen der Parteien und der Kirchen sowie lokale und regionale Politiker zeigten ebenfalls Flagge, unter ihnen der Kitzinger Oberbürgermeister Siegfried Müller, Landrätin Tamara Bischof und der Landtagsabgeordnete Otto Hünnerkopf.

Wir sind hier, wir sind laut

"Wir sind hier, wir sind laut, weil man unseren Eltern die Arbeit klaut" lautete der Slogan der Kinder, dem sich auch die anderen Demonstranten lautstark anschlossen. Akustische Untermalung lieferten beim Start des Zuges und beim Eintreffen am Marktplatz die jeweiligen Kirchenglocken; die Moschee im nahen Etwashausen machte sich zwar nicht auf diese Art hörbar, ihr Imam jedoch hatte ebenfalls zur Teilnahme aufgerufen und ein entsprechendes Plakat an ihr ausgehängt.

Landrätin Bischof fasste zusammen, was die ganze Region beschäftigt: "Wir erwarten von den Verantwortlichen, dass sie nicht einfach feststellen, dass für 500 Beschäftigte der Stellenabbau alternativlos ist. Es gibt für alles eine Alternative!" Kritik äußerte sie an die Adresse der Automobilhersteller, die eigene Gewinne auch durch den Preisdruck auf ihre Zulieferer steigern. Was das für deren Beschäftigte heißt, schilderte eine Auszubildende: "Wie soll ich mit meiner Ausbildung hier einen Arbeitsplatz finden? Mir bliebe nur, wegzuziehen."

"Ihre Zukunft bei Fehrer"

Der Betriebsratsvorsitzende Holger Lenz wies den Vorwurf der Fehrer-Geschäftsleitung zurück, die Kinder zu instrumentalisieren: "Wir kämpfen nicht mit, sondern für unsere Kinder. An welche Zukunft sollen sie sonst glauben?" Der erste Bevollmächtigte der zuständigen Würzburger IG Metall, Walther Mann unterstrich diese Aussage und nannte den Vorwurf von Fehrer ein Ablenkungsmanöver: "Wenn wir den Kindern Perspektiven und eine Zukunft ohne Angst geben wollen, dann müssen wir den Produktionsstandort Kitzingen erhalten." Wirft man einen Blick auf die Selbstdarstellung des Unternehmens im Internet, sollte es eigentlich mehr Verständnis zeigen: Unter der Überschrift "Ihre Zukunft bei Fehrer" betont es stolz, sich beim Wettbewerb "Familienfreundlichster Arbeitgeber Mainfranken 2012" unter den ersten fünf platziert zu haben.

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