09.04.2013
Statistisch schöngefärbt

Vergangene Woche meldete die Bundesagentur für Arbeit, die Beschäftigung über 60jähriger habe im vergangenen Jahr um über zwölf Prozent zugenommen. Die Arbeitgeber, von Amts wegen eifrige Befürworter der Rente mit 67, bekundeten lautstark Begeisterung - mit zweifelhafter Berechtigung.

"Der Paradigmenwechsel weg von der Frühverrentung ist geglückt", frohlockte unter anderem Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander mit Verweis auf eine eigene Erhebung. Begründete Zweifel kommen allerdings von IG Metall und DGB.

Schöne neue Arbeitswelt bleibt ein Mythos

Hans-Jürgen Urban, im Vorstand der IG Metall für Sozialpolitik verantwortlich, bewertet die optimistischen Einschätzungen äußerst kritisch: "Die schöne neue Arbeitswelt für die Alten ist und bleibt ein Mythos", erklärte er gegenüber der "Süddeutschen Zeitung". Die Zahlen der Bundesagentur verführen nach Auffassung der IG Metall zu falschen Annahmen. Die Befragung von Betriebsräten nämlich hat ergeben, das weniger als vier Prozent der Beschäftigten in den Betrieben über 60 sind, weniger als ein Prozent gar über 63. Urban fasst zusammen: "Je näher der Jahrgang an der Rente, desto niedriger die Beschäftigungsquote."

Differenziertes Gesamtbild

Der inhaltliche Widerspruch zu den Zahlen der Bundesagentur erklärt sich mit zusätzlichen Faktoren. Urban verweist auf viele Menschen über 60 Jahre, die sich schon in Rente oder der Freistellungsphase der Altersteilzeit befinden und ihre geringen Bezüge mit Teilzeitjobs aufbessern - aufgrund derer sie dann wieder in der Beschäftigtenstatistik auftauchen. DGB-Vorstandmitglied Annelie Buntenbach verwies in einer Presseerklärung auf einen weiteren Umstand: Zwar bleiben diejenigen, die eine Beschäftigung haben, mittlerweile länger im Job; wer von ihnen diesen aber verliert, hat nach wie vor kaum Chancen auf eine angemessene neue Beschäftigung.

Fazit: Anstatt die aktuelle Situation als Argument für die Rente mit 67 schönzureden, sollte man das Augenmerk besser darauf legen, die Arbeitswelt alterns- und altersgerecht zu gestalten sowie zu gewährleisten, dass die Renten zum Leben reichen.

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