28.02.2013
Appell für höhere Löhne

Kurz vor der Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie zeichnet sich zunehmend eine Forderung um die 5,5 Prozent herum ab. Gesamtmetall und seine regionalen Verbände reagieren erwartungsgemäß mit Wehgeschrei. Sie kritisieren vor allem das Argument der IG Metall, dass höhere Entgelte gesamtwirtschaftlich unabdingbar sind - zu Unrecht, meint der frühere Chefökonom der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung.

"Blanker Unsinn" ...

Vbm-Geschäftsführer Bertram Brossardt etwa bezeichnete die Begründung einer Forderung über den neutralen Verteilungsspielraum hinaus mit deren positiven Folgen für die Binnennachfrage in einer Pressemitteilung gewohnt selbstbewusst als "blanken Unsinn". Vielleicht sollte er sich einmal mit Heiner Flassbeck über dieses Thema auseinandersetzen, nicht gerade ein Unbekannter in der Wirtschaftswissenschaft.

... oder wirtschaftliche Notwendigkeit?

Flassbeck war bis Ende 2012 Chefökonom der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) und zuvor unter anderem Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. In einem Gastkommentar für die "Financial Times Deutschland" formulierte er vergangenen November einen nachdrücklichen Appell für höhere Löhne und die Abkehr von der "Droge Exportüberschuss". Der Titel: "Deutschland braucht höhere Löhne".

Dem wirtschaftswissenschaftlichen Mainstream wirft er darin vor, nach dem Motto "Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß" den "extrem und unvermindert hohen deutschen Leistungsbilanzüberschuss" in der Diskussion stillschweigend unter den Tisch fallen zu lassen. Im Zusammenhang mit den Problemen in der Europäischen Union ist dies jedoch nach seiner Überzeugung ein fataler Fehler: "Wenn die Problemländer in Euroland ihre Defizite abbauen, dann kann das wichtigste Überschussland nicht gleichzeitig seine Überschüsse halten [...] Folglich ist ein Abbau des gewaltigen Überschusses in Deutschland unumgänglich."

Dieser Abbau jedoch, so Flassbeck weiter, ist in der derzeitigen wirtschaftlichen Konstellation Deutschlands nicht vorstellbar, woraus ein Dilemma für das wichtige Ziel entsteht, negative Effekte im Export zu bewältigen. Um es zu lösen, "müsste in Deutschland die Inlandsnachfrage, also Konsum und Investitionen, in ganz anderen Dimensionen zunehmen als bisher. Um den Konsum zu beleben, müssten aber die Einkommen der privaten Haushalte wesentlich stärker zulegen als im letzten Jahrzehnt".

Eine solche Zunahme ist nach Flassbecks Auffassung möglich, wenn die entsprechenden Voraussetzungen in der Lohnentwicklung geschaffen und von staatlicher Seite unterstützt werden: "Dann ergäbe sich auch in realer Rechnung eine Zunahme der Inlandsnachfrage, die merkliches Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen selbst bei einem negativen Einfluss vom Außenbeitrag zulassen würde."

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