06.02.2013
Schluss mit dem Bremsen

Ende Januar meldeten die Krankenkassen einen explosionsartigen Anstieg der psychischen Krankheiten - wieder einmal. Wie gewohnt entbrannte sogleich eine laute, aber kurze Diskussion um Gegenmaßnahmen. Tatsächlich allerdings passiert wenig bis gar nichts, selbst die Geste einer gemeinsamen Erklärung von Politik, Gewerkschaften und Arbeitgebern scheiterte am Widerstand letzterer.

Fehltage wegen Burn Out (Quelle: BKK).

Mit Lean Office und Smartphone in den Burn Out

Immer mehr Berufstätige werden psychisch krank, auf Burn Out, Depression und ähnliche Leiden zurückgeführte Krankheitstage steigen und steigen - so lassen sich die Warnungen der Krankenkassen ohne viel Zahlen-Wirrwarr  zusammenfassen. Psychische Störungen stehen mittlerweile als Ursache für Arbeitsunfähigkeit gleich hinter Skelett- und Muskelerkrankungen. Stress als zwar nicht einziger, aber zentraler Faktor nimmt ungebremst weiter zu, moderne Kommunikationsmittel und neue Arbeitssysteme - Stichwort Lean Office - beschleunigen den Trend zusätzlich.

Höchste Zeit für Gegenmaßnahmen

Nicht zuletzt auf konsequentes Drängen der IG Metall, die unter anderem seit langem die Einführung einer bereits formulierten Anti-Stress-Verordnung fordert, trafen sich zeitnah zur Veröffentlichung der neuen Zahlen und des Stress-Reports der Bundesregierung Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, Vertreter der Arbeitgeber und Gewerkschaften, um über die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz zu diskutieren. Am Ende sollte eine gemeinsame Erklärung einen Minimalkonsens signalisieren und den Weg für konkrete Schritte ebnen.

Arbeitnehmer brauchen Anti-Stress-Verordnung

Diese Tür jedoch blieb verschlossen, weil die Vertreter der Arbeitgeberseite bei dem Treffen am 29. Januar sie blockierten - obwohl auch sie mittlerweile widerstrebend Handlungsbedarf einräumen. Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Mitglied im Vorstand der IG Metall, forderte von der Leyen daraufhin umso nachdrücklicher zum Handeln auf: "Die Arbeitnehmer brauchen eine klare und verbindliche Anti-Stress-Verordnung. In Deutschland scheinen dies einzig und allein die Arbeitgeber noch nicht begriffen zu haben." Deren Blockade unterstreicht in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit einer verbindlichen Rechtsverordnung noch zusätzlich, denn auf freiwilliger Basis ist offenbar nicht damit zu rechnen.

Riskante Passivität

Je länger eine solche verbindliche Regelung angesichts potenziell stressfördernder Entwicklungen - beispielsweise offene Bürokonzepte, mobiles Arbeiten, ständige Erreichbarkeit und Flächenverdichtung - auf sich warten lässt, desto höher werden die Risiken. Die haben nicht nur die unmittelbar betroffenen Beschäftigten zu tragen, sondern auch die Gesundheitssysteme durch explodierende Kosten. Letztlich treffen die Folgen auch die Industrie selber, denn in manchen Bereichen machen die Krankenkassen innerhalb weniger Jahre eine Vervielfachung der Fehltage wegen psychischer Leiden aus.

« Nachrichtenübersicht
gedruckt am 11.12.2019 / IG Metall Bayern online