05.02.2013
Restrukturierung: Der Druck steigt

Reorganisationen sind in großen Unternehmen an der Tagesordnung. Wie auch immer solche Maßnahmen jeweils genannt und begründet werden - gibt es ein Problem, wird oft erst einmal hektisch restrukturiert, und sei es nur, um nach außen zu signalisieren: Das Management tut was! Eine Studie zeigt, dass das auch für nicht unmittelbar Betroffene eine Belastung bedeutet.

Druck durch Restrukturierung (Eurofound 2012/ Hans Böckler-Stiftung 2013)

Umbaumaßnahmen mit Nebenwirkungen

Für die Beschäftigten ist die grassierende Umbauwut meist mit negativen Folgen verbunden. Das gilt natürlich besonders für diejenigen, die schlimmstenfalls mit drohendem Arbeitsplatzverlust konfrontiert werden, aber auch die anderen erleben erhöhten Stress und gesundheitliche Probleme. Die Hans Böckler-Stiftung hat eine Studie präsentiert, die den EU-Arbeitsmarkt zu diesem Thema unter die Lupe nimmt. Wissenschaftler der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen Eurofound haben untersucht, wer von Entlassungen besonders betroffen ist und wie sich Restrukturierungen auf Beschäftigte auswirken.

Zum einen werden in Krisen Angehörige benachteiligter Gruppen wie Geringqualifizierte oder Migranten überdurchschnittlich oft entlassen; blickt man auf die LeiharbeiterInnen in der Wirtschaftskrise 2008, wird das in der Praxis schmerzhaft nachvollziehbar. Zum anderen klagen auch Beschäftigte, die eine Restrukturierung ohne Jobverlust überstanden, über seelische und körperliche Beschwerden.

Reorganisationen sind den Erkenntnissen der zufolge, auch das wenig überraschend, ein EU-weites Phänomen. Von Stellenabbau waren dabei einige Gruppen überproportional betroffen, unter anderem Geringqualifizierte, gesundheitlich Beeinträchtigte und generell Beschäftigte mit geringem beruflichem Status. Eurofound leitet daraus eine bekannte Forderung der viele Gewerkschaften an die Politik ab: Änderungen der vorherrschenden Arbeitsmarktpolitik, die ebenso leichte Entlassungen wie Einstellungen ermöglicht.

Schlechtes Klima nach der Restrukturierung

Bemerkenswert ist, wie massiv sich Restrukturierungen auf die verbliebenen Beschäftigten auswirken. 42 Prozent klagen über hohe Arbeitsintensität, in nicht restrukturierten Betrieben sind es "nur" 34. Ähnlich ungünstig ist das Verhältnis bei Arbeit in der Freizeit sowie unregelmäßigen Arbeitszeiten und Schichtarbeit. Darunter leidet die Arbeitszufriedenheit, so dass Beschäftigte restrukturierter Betriebe ihre Arbeitsbedingungen und ihre Work-Life-Balance insgesamt deutlich schlechter bewerten. Berichte von psychosozialen Belastungen wie Schikanen oder Beschimpfungen am Arbeitsplatz runden das alarmierende Bild ab. Davon bleibt auch die Gesundheit nicht unberührt: Beschäftigte restrukturierter Unternehmen schätzen ihre Verfassung in praktisch jeder Hinsicht schlechter ein als andere. Im Mittelpunkt stehen psychosomatische Störungen wie Depressionen, Stress oder Schlafprobleme - also genau die Krankheitsbilder, die seit Jahren in erschreckendem Maß zunehmen und sich mittlerweile massiv auf die Gesundheitssysteme auswirken.

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