28.01.2013
Leiharbeit verdrängt reguläre Beschäftigung

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat eine Studie über den Zusammenhang von Leiharbeit und Beschäftigungsaufbau veröffentlicht. Leiharbeit schafft demnach zwar wie von ihren Befürwortern behauptet neue Jobs, führt aber ebenfalls massiv zur oft kritisierten Erosion des Arbeitmarktes: "Denn Zeitarbeit verdrängt auch reguläre Beschäftigung."

Entwicklung der Leiharbeit (Grafik: IAB; zum Vergrößern anklicken)

100.000 neue Stellen, 100.000 gefährdet

Der Pressemitteilung des IAB zufolge geben die Verfasser der Studie sowohl Befürwortern als auch Gegnern der Leiharbeit teilweise Recht: "Die Hälfte der Zeitarbeit ist zusätzlich."Als Beispiel dienen die beiden Boomjahre 2006 und 2010, in denen die Zahl der Leiharbeiter insgesamt um 200.000 zunahm und dabei rund 100.000 reguläre Stellen verdrängte. Das Fazit der Wissenschaftler: "Wie von den Befürwortern der Zeitarbeit erhofft, ist mit dem Einsatz von Leiharbeitskräften ein Beschäftigungsaufbau verbunden. Allerdings ist dieser Beschäftigungsgewinn nicht ohne Kosten: Denn Zeitarbeit verdrängt auch reguläre Beschäftigung."

Verdrängung mit vielen Gesichtern

Diese Verdrängung kann den Untersuchungen zufolge verschiedene Gesichter haben. Zum unittelbaren Austausch eines regulären Arbeitsplatzes durch einen in Leiharbeit kommt beispielsweise der Effekt, dass manche Betriebe mit vielen LeiharbeiterInnen anderen Betrieben Marktanteile abnehmen. Unter diesem Aspekt kann es nicht verwundern, dass der Leiharbeitnehmeranteil an allen Erwerbstätigen in den letzten beiden Jahrzehnten stetig gewachsen ist - von rund 130.000 im Jahr 1991 auf rund 880.000 im Jahr 2011. Auch die wesentliche Ursache für dieses Wachstum ist bekannt, wie die Arbeitsmarktforscher erklären: Es hänge "nicht zuletzt mit zahlreichen Lockerungen der gesetzlichen Bestimmungen zusammen.

Kein Grund zum Jubel

Vor diesem Hintergrund besteht kein Anlass für die schnellen Jubelreaktionen der Zeitarbeitsverbände und ihrer Befürworter. 100.000 neue Stellen, um bei Beispiel der Studie zu bleiben, sind unbestreitbar ein positiver Effekt; umso mehr müssten aber verbesserte Regelungen den damit einhergehenden Verlust von ebenso vielen regulären Arbeitsplätzen verhindern. Mit den Vereinbarungen der IG Metall für Rahmenbedingungen in der Tarifrunde 2012 ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung getan - ihrer Verantwortung für weitere Verbesserungen sind Politik und Industrie damit aber keineswegs enthoben.


» Download der Studie als PDF beim IAB

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