08.11.2012
Delegation der IG Metall Bayern bei chinesischen Gewerkschaften

Auf Einladung der Hauptgewerkschaft der chinesischen Provinz Sichuan besuchte vergangene Woche eine sechsköpfige Delegation der IG Metall Bayern unter Leitung von Bezirksleiter Jürgen Wechsler China. Stationen der fünftägigen Reise waren die Provinzhauptstadt Chengdu, eine hierzulande wenig bekannte 6-Millionen-Metropole, sowie am 4. November die chinesische Hauptstadt Beijing.

Mit dieser Reise erwiderte die IG Metall Bayern den Besuch einer Gewerkschaftsdelegation aus Sichuan im April 2012. Im Zentrum des Besuchs standen die Gespräche und der Erfahrungsaustausch mit der Führung der Provinzgewerkschaft sowie mit Vertretern der Stadtgewerkschaften von Chengdu und Beijing. Die Delegation besuchte unter anderem das neue FAW-VW-Werk in Chengdu mit inzwischen über 7.000 Beschäftigten. Auch Werke von Bosch und Siemens entstehen derzeit in Chengdu.

Ein Besuch im dortigen Foxconn-Werk mit über 90.000 (!!) Beschäftigten war leider nicht möglich. Die Provinzgewerkschaft informierte aber ausführlich über die Hintergründe der Konflikte und auch der Selbstmorde bei Foxconn, dessen Beschäftigte sich fast ausschließlich aus 18-26-Jährigen Singles aus ländlichen Gebieten rekrutieren. Chinas Hinterland im Westen und Südwesten, darunter die Provinz Sichuan, hat derzeit Priorität bei den staatlichen Investitionen und bei der Wirtschaftsförderung.

Chinas Gewerkschaften in der Transformation?

Die gesellschaftliche Rolle der Gewerkschaften in China ist anders als in den westlichen kapitalistischen Ländern: Sie nehmen Aufgaben der Sozialverwaltung und Sozialfürsorge wahr und sorgen fürs Kulturprogramm. Die Betriebsgewerkschaften arbeiten meist eng mit dem Management zusammen - entsprechend ihrer historischen Aufgabe als „Transmissionsriemen der Partei“. Demgegenüber ist die Interessenvertretung noch wenig ausgeprägt. Die gesetzlich vorgesehenen Kollektivverträge entsprechen nicht unseren Tarifverträgen.

Andererseits sind Chinas Gewerkschaften inzwischen mit einem Privatsektor konfrontiert, in dem bis zu 90% der Lohnabhängigen arbeiten. Verletzungen der Arbeitsgesetze und minimalster Standards sind an der Tagesordnung. Konfrontiert mit diesen kapitalistischen Realitäten, haben die chinesischen Gewerkschaften ein großes Interesse am Lernen und am Erfahrungsaustausch insbesondere auch mit den deutschen Gewerkschaften.

» drucken


Seit 1. Juli 2019 erreichen Sie uns hier:

IG Metall Bezirksleitung Bayern

Werinherstraße 79
Gebäude 32a, 3. Stock
81541 München

Mehr Wert mit Tarif