07.11.2012
Textil- und Bekleidung: Ergebnis in letzter Minute

IG Metall und Arbeitgeber der westdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie haben sich in der Nacht zum Mittwoch in Bocholt auf einen Tarifabschluss geeinigt. Das Entgelt wird ab Mai 2013 in zwei Stufen um insgesamt fünf Prozent erhöht. Tarifliche Regelungen zur Bewältigung der demografischen Entwicklung gibt es hingegen noch nicht, Verhandlungen dazu werden im Januar 2013 aufgenommen.

Mit dem Ergebnis wurden die ab dem achten November möglichen Warnstreiks praktisch in letzter Minute abgewendet. Die in Bayern vorgesehenen Aktionen am zehnten November haben sich mit dem Tarifabschluss erübrigt und sind abgesagt.

Für die Monate Januar bis April 2013 erhalten die Beschäftigten Einmalzahlungen in Höhe von jeweils 60 Euro, die Auszubildenden 25 Euro. Ab Mai 2013 erhöhen sich die Entgelte um drei, ab Juni 2014 um weitere zwei Prozent. Die Auszubildenden erhalten monatlich ein Plus von 50 Euro. Der Tarifvertrag hat insgesamt eine Laufzeit von 24 Monaten.

Tragfähiger Kompromiss

Das für Tarifpolitik zuständige IG Metall-Vorstandsmitglied Helga Schwitzer bewertet den Abschluss als "tragfähigen Kompromiss, der für die Beschäftigten ein deutliches Einkommensplus sichert, ohne einzelne Betriebe in der derzeit wirtschaftlich schwierigen Lage zu überfordern". IG Metall-Verhandlungsführer Michael Jung ergänzte mit Blick auf die Azubis: "Mit der überproportionalen Erhöhung der Ausbildungsvergütung ab 2013 wird die Attraktivität der Branche für den Nachwuchs erhöht."

Betriebliche Abweichungen möglich

Arbeitgeber und die Betriebsräte können gegen eine Beschäftigungszusage eine Kürzung, Verschiebung oder den Entfall der Einmalzahlungen vereinbaren; davon ausgenommen sind die Auszubildenden. Bei guter wirtschaftlicher Lage kann die Zahlung verdoppelt werden. Abhängig von der wirtschaftlichen Lage kann die Einkommenssteigerung von drei Prozent auf zwei Prozent abgesenkt werden. Bei guter wirtschaftlicher Lager werden die Einkommen schon ab November 2012 um drei Prozent erhöht.

Tarifverhandlungen zur Demografie

Zu guter Letzt haben sich die Tarifparteien verpflichtet, ab Januar 2013 Verhandlungen zu einem Tarifvertrag zur Demografie aufzunehmen. Hier haben dei Bemühungen der IG Metall, die Arbeitgeberseite zu einem zukunftssichernden Abschluss zu bewegen, bislang nicht gefruchtet: "Es ist enttäuschend, wie die Arbeitgeberseite bislang mit ihren eigenen Zukunftsthemen umgeht", kritisierte Jung.

zum Download:
Textil-Tarifnachrichten-04_01.pdf
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