10.01.2012
Deutschland Europameister bei Arbeitslosen-Armut

In Deutschland sind arbeitslose Menschen viel öfter von Armut bedroht als in anderen Ländern Europas. Zuletzt waren hierzulande 70 Prozent der Erwerbslosen armutsgefährdet - ein "Spitzenplatz" in der EU.

Laut Medienberichten ist diese Erkenntnis das Ergebnis der Auswertung von Daten aus dem Jahr 2010 durch die europäische Statistikbehörde Eurostat. Als armutsgefährdet gelten Menschen, die weniger als 60 Prozent des mittleren nationalen Einkommens zur Verfügung haben; in Deutschland lag diese Schwelle für Singles zuletzt bei 940 Euro im Monat.

Die Gründe für diese unrühmliche Europameisterschaft: 

  • Die Leistungen, die Jobsuchende in Deutschland zu Beginn ihrer Arbeitslosigkeit erhalten, sind relativ niedrig. In Dänemark z.B. sind die Transfers deutlich höher.
  • Zweitens haben Jobsuchende in Deutschland nur relativ kurz Anspruch auf Arbeitslosengeld. Ein 40-Jähriger, der seit seinem 18. Lebensjahr durchgehend gearbeitet hat, hat hierzulande nur 52 Wochen Anspruch auf Arbeitslosengeld. In Dänemark 208 Wochen, in Frankreich und den Niederlanden 104 und in Spanien 103 Wochen.

Mit den Hartz-Reformen hat die rot-grüne Bundesregierung 2005 den Weg für diese Verarmung der Arbeitslosen bereitet. Seitdem haben viele Jobsuchende nach einem Jahr Erwerbslosigkeit nur noch Anspruch auf Hartz IV, wenn sie nicht ohenhin aufgrund von Niedriglöhnen sofort dort landen. Ein alleinstehender Hartz IV-Empfänger erhielt vor einem Jahr durchschnittlich knapp 570 Euro im Monat - inklusive Wohngeld. Mit diesem Einkommen ist die Armutsschwelle bereits deutlich unterschritten.

Bezugsdauer für Versicherungsleistung ALG verlängern ...

Jobsuchende brauchen auch in Deutschland einen längeren Anspruch auf Arbeitslosengeld. Zurzeit können nur Menschen vom 50. Lebensjahr länger als ein Jahr diese Versicherungsleistung erhalten. Künftig muss dies auch für jüngere Arbeitssuchende gelten.

... und Leiharbeiter und Stammbeschäftigte gleich bezahlen!

Verteilungsforscher Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) nennt einen weiteren Hebel gegen die Armutsfalle: Weil in Deutschland immer mehr Menschen prekär beschäftigt und gering entlohnt sind, bekommen sie bei Arbeitslosigkeit nur geringe Leistungen. Deswegen muss die Politik hier gegensteuern mit Mindestlöhnen und der gleichen Bezahlung von Leiharbeitern und Stammbeschäftigten.

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