26.09.2011
Auslaufmodell Feierabend?

Mobiles Arbeiten, ständige Erreichbarkeit, die Verschiebung von "Work-Life Balance" zu "Work-Life Integration" - all diese Trends der vergangenen Jahre weisen darauf hin, dass die Arbeitswelt sich stückweise mehr Raum im Leben der Beschäftigten erobert. Eine Studie der Universität Lüneburg liefert weitere Belege für diese Entwicklung.

(Grafik: Hans Böckler-Stiftung
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Wie die Hans Böckler-Stiftung meldet, muss ein erheblicher Teil aller Beschäftigten der Untersuchung eines Ökonomen der Universität Lüneburg zufolge regelmäßig abends, nachts oder am Wochenende arbeiten. Nach Auswertung der Daten aus dem als äußerst aussagekräftig geltenden Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) hält sich dieser Trend seit Mitte der 90er Jahre.

Der freie Samstag ist laut dieser Auswertung für viele keineswegs selbstverständlich. Im Jahr 2009 arbeiteten 40 Prozent regelmäßig am Samstag, sechs Prozent mehr als noch 1995. Besonders betroffen sind von diesem Anstieg Teilzeitbeschäftigte. Ähnlich verhält es sich mit der Zunahme der Sonntagsarbeit.

Feierabend Fehlanzeige

Besonders auffällig ist der Anstieg der Arbeit am Abend, wobei hier neben der allgemeinen Zunahme atypischer Arbeitszeiten etwa aufgrund gestiegenen Wettbewerbsdrucks durch die Globalisierung die Ausweitung der Ladenöffnungszeiten eine wesentliche Rolle spielt. Die Nachtarbeit ist ihrerseits vor allem bis 2005 angestiegen und stagniert seitdem bei knapp 13 Prozent.

Über alle Kriterien hinweg sind Vollzeitbeschäftigte insgesamt eher betroffen als solche mit geringfügiger oder Teilzeitarbeit. Daneben arbeiten mehr Männer als Frauen zu untypischen Zeiten, generell wird dieser Abstand allerdings kleiner.

Mix aus Auszahlung und Abfeiern

Beim Ausgleich für Überstunden dominieren zunehmend Mischformen, die sowohl das "Abfeiern", als auch die Auszahlung erlauben; reiner Zeitausgleich befindet sich auf dem absteigenden Ast. Alarmierend ist eine letzte Zahl: In 20 Prozent der Fälle werden Überstunden weder mit Zeit, noch mit Geld abgegolten - die betroffenen ArbeitnehmerInnen gehen leer aus.

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