19.09.2011
Atomkraft: Siemens steigt aus

Die Siemens AG zieht die Konsequenzen aus einer gesellschaftlichen Entwicklung, die sich mit der Katastrophe von Fukushima rasant beschleunigte. Wie bereits seit längerem auch von der Arbeitnehmerseite favorisiert, will das Unternehmen das Geschäft mit Atomkraftwerken endgültig aufgeben.

Positives Echo

Die IG Metall setzt sich bekanntlich schon lange für die Abkehr von der Atomkraft ein, und auch der Siemens-Gesamtbetriebsrat kommentiert die Nachricht positiv, wenn auch eventuelle Belange der Beschäftigten berücksichtig werden: "Bei dem Ausstieg, den wir grundsätzlich befürworten, muss dafür gesorgt werden, dass für die Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze mit der Kernenergie verbunden sind und damit gefährdet wären, ein Qualifizierungsprogramm aufgelegt wird. Gefordert ist eine Energiewende, die nicht zu Lasten der Beschäftigten geht und ein verantwortungsbewusstes, tragfähiges Fundament für die Zukunft bildet", erklärte Lothar Adler, der Vorsitzende des Gremiums.

"Das Kapitel ist für uns abgeschlossen"

Der Vorstandsvorsitzende Peter Löscher gab die Entscheidung statt mit einer Pressemitteilung im Interview mit dem "undefinedSpiegel" bekannt. Dabei nannte er den Entschluss eine "Antwort auf die klare Positionierung von Gesellschaft und Politik in Deutschland zum Ausstieg aus der Kernenergie". Künftig will man nur noch Einzelkomponenten liefern, die auch in Gas- oder Kohleanlagen verwendet werden: "In die Gesamtverantwortung [...] werden wir nicht mehr einsteigen. Das Kapitel ist für uns abgeschlossen."

Siemens hatte seit Mitte der 50er Jahre mit dem Bau von Kernkraftwerken Geld verdient. Vor zehn Jahren verlagerte man die sogenannte "heiße" Atomtechnik in ein Joint Venture mit der französischen Areva. Erst dieses Jahr stieg man dann gegen eine Vertragsstrafe von 648 Millionen Euro dort aus und sondierte Möglichkeiten, das Geschäft gemeinsam mit der russischen Rosatom neu aufzunehmen. Diese Pläne sind nun hinfällig, Sorgen um Misstöne in den Beziehungen zu Russland macht sich Löscher deswegen nach eigenem Bekunden jedoch nicht.

Motor der Energiewende

Auch generell ist Siemens vor wirtschaftlichen Einbußen als Folge des Ausstiegs nicht bange: "Siemens wird ein Motor der deutschen Energiewende sein und sieht darin eine Chance für den Investitionsstandort Deutschland, wenn es uns gelingt, dieses Projekt voranzutreiben und zugleich die industrielle Wertschöpfung im Land zu erhalten", erklärte Löscher.

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gedruckt am 19.09.2019 / IG Metall Bayern online