07.07.2011
Inflation drückt Realeinkommen

Die Tarifabschlüsse im 1. Halbjahr 2011, das ist die gute Nachricht, liegen laut einer Erhebung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans Böckler-Stiftung deutlich über denen von 2010. Die schlechte Nachricht: Die unerwartet hohe Inflation frisst die Erhöhungen auf, so dass letztlich keine Kaufkraftsteigerung bei den Beschäftigten ankommt.

Wie das WSI am Mittwoch bekannt gab, wurden in der ersten Jahreshälfte in vielen Bereichen wieder dauerhafte Tarifsteigerungen vereinbart, nachdem im vergangenen Jahr eher Pauschalzahlungen geleistet wurden. Die aktuelle Halbjahresbilanz des WSI-Tarifarchivs ergibt unter dem Strich eine vorläufige jahresbezogene Tarifsteigerung gegenüber 2010 von nominal 2,3 Prozent. Rechnet man knapp acht Millionen Beschäftigte mit ein, für die 2011 noch die tendenziell niedrigeren Abschlüsse aus dem Vorjahr gelten, kommt ein durchschnittliche nominale Tarifsteigerung von zwei Prozent heraus.

Nur verhalten optimistisch

Diese Bilanz stimmt aus Arbeitnehmersicht "nur verhalten optimistisch", erklärt der Leiter des Tarifarchivs, weil die Tarifsteigerungen zwar erkennbar höher ausgefallen sind als im Vorjahr, aber: "Sie werden durch den unerwartet starken Anstieg der Verbraucherpreise größtenteils wieder aufgezehrt." Übers Jahr gerechnet werden daher aus jetziger Sicht in manchen Wirtschaftsbereichen wohl nicht einmal die Realeinkommen gesichert.

Wichtige Tarifrunden 2012

Vor diesem Hintergrund gewinnen die bevorstehenden Tarifrunden weiter an Bedeutung. Setzt sich der aktuelle konjunkturelle Aufschwung bis dahin fort, können die Beschäftigten in den Leitbranchen Metall- und Elektroindustrie, Chemie und Öffentlicher Dienst davon profitieren. Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, bringt es auf den Punkt: "Der Aufschwung muss endlich bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ankommen. Sie haben ihn schließlich auch erarbeitet."

Der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände, Dieter Hundt, reagiert reflexartig mit den gewohnten Vorab-Warnungen vor "illusorischen Forderungen", während er die eindeutig zurückhaltenden Tarifabschlüsse zum Ende der Krise - natürlich - trotz allem "kräftig" findet. Trotz sich überschlagender Wachstumsprognosen ist ihm offenbar vor allem möglichen bange: "Die Schuldenkrise in mehreren europäischen Ländern, die Folgen der überstürzten Energiewende und die überdurchschnittlich hohen Arbeitskosten in Deutschland könnten die konjunkturelle Erholung belasten."

Altbekannte Argumentationsmuster

Unverkennbar zeichnet sich also schon jetzt das altbekannte Argumentationsmuster der Arbeitgeber ab: In schlechten Zeiten kann man sich sowieso keine Entgeltsteigerungen leisten, und in guten fürchtet man diese mit fairen Abschlüssen zu gefährden.

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