09.12.2010
"Keine Katastrophe, aber wahrlich nicht berauschend"

Am siebten Dezember stellte der Deutsche Gewerkschaftsbund zum vierten Mal seinen Index 'Gute Arbeit' vor. Die Ergebnisse bundesweiter repräsentativer Befragungen von ArbeitnehmerInnen liefern auch für 2010 eine Fülle arbeits- und sozialpolitischer Daten. Einen Schwerpunkt bilden dieses Mal die Folgen der Krise.

Für den Index 2010 wurden 4.150 Beschäftigte aller Branchen, Einkommensgruppen, Regionen, Betriebsgrößen, Berufsgruppen und Beschäftigungsverhältnisse befragt, unabhängig ob gewerkschaftlich organisiert oder nicht.

Mäßiges Ergebnis

Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer fasste bei der Präsentation  in Berlin zusammen: "Die Ergebnisse sind keine Katastrophe, aber wahrlich nicht berauschend." So bleibt die Bewertung der Arbeitsqualität mit 59 Indexpunkten mittelmäßig und verbessert sich gegenüber 2009 nur um einen einzigen Punkt. Ein Drittel der Arbeitsplätze werden als "mangelhaft" eingestuft, nur 15 Prozent empfinden ihre Arbeit als nicht belastend.

Unzureichende Einkommen und berufliche Unsicherheit

Die Hauptursachen für das nicht eben begeisternde Urteil sehen die Befragten vor allem in unzureichenden Einkommensbedingungen und der Last beruflicher Unsicherheit; dahinter folgen der Führungsstil und mangelnde Betriebskultur. Die Wirtschafts- und Finanzkrise trug als Sonderfaktor weiter zum negativen Ergebnis bei: 42 Prozent der Beschäftigten fühlten sich durch sie in ihrer Arbeit unter Druck, 64 Prozent berichten von Veränderungen in Folge der Krise, davon wiederum 46 Prozent waren etwa durch Arbeitszeitverkürzung oder Arbeitsintensivierung betroffen, weitere 14 Prozent von sinkendem Entgelt.

Metall- und Elektroindustrie besonders gebeutelt

Aus Sicht der exportabhängigen und daher von der Krise besonders gebeutelten Metall- und Elektroindustrie wies der erste IG Metall-Vorsitzende Berthold Huber auf einige Besonderheiten hin. Ihre Beschäftigten waren im Vergleich zur Gesamtheit der Befragten doppelt so stark betroffen.

Lehren aus der Krise

Huber warnte nachdrücklich davor, angesichts der wieder anziehenden Konjunktur die Lehren aus der Krise und ihrer Überwindung zu verdrängen: "Die Arbeitgeber sind dabei, den Konsens bei der Krisenüberwindung aufzukündigen. Das ist weder ein kluger noch ein vorausschauender Umgang mit den Lehren aus der Krisenbewältigung. Und es ist vor allem kein fairer Umgang mit den Beschäftigten, die einen Großteil der Kriselasten geschultert haben. Hier muss die Politik korrigierend eingreifen. Sie muss die Welle von Leiharbeit, Befristungen und Werkverträgen schnellstens brechen."


Statement Michael Sommer (PDF)

Statement Berthold Huber (PDF)

Report DGB-Index Gute Arbeit 2010 (PDF, 1MB)

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