15.07.2010
Stress lass' nach

... klagt man bisweilen, wenn Arbeitsdichte und -druck zu hoch werden. Wie ernst das Thema wirklich zu nehmen ist, zeigen neue Daten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK. Die Menge psychischer Erkrankungen am Arbeitsplatz hat im Jahr 2009 einen Rekord erreicht und stellt mittlerweile den Hauptgrund für den vorzeitigen Ausstieg aus dem Erwerbsleben dar.

Dass der Krankenstand in Deutschland insgesamt sich dennoch auf bemerkenswert niedrigem Niveau einpendelt, scheint nur auf den ersten Blick widersprüchlich. Das AOK-Institut nämlich geht davon aus, dass sich viele Menschen aus Angst um den Jobverlust weiter in den Betrieb schleppen, wenn sie aus ärztlicher Sicht längst nach Hause gehören. Legt die Anzahl psychischer Erkrankungen unter diesen Vorzeichen gegen den allgemeinen Trend weiter zu, ist dies also doppelt alarmierend.

Veränderung und Beschleunigung der Arbeitswelt

Ist es dann trotzdem soweit, dass nichts mehr geht, geraten die Fehlzeiten gerade bei psychischen Erkrankungen besonders lang  - im Schnitt 23 Tage, über dreimal so lange wie etwa bei Atemwegserkrankungen. Im Zusammenhang mit der wachsenden Zahl von Frühverrentungen ist auch der volkswirtschaftliche Schaden immens: Knapp 27 Milliarden Euro betrug er nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts im Jahr 2006. Über die Ursachen sind sich die Experten einig: Rasante Veränderung und Beschleunigung der Arbeitswelt.

IG Metall fordert Prävention in den Betrieben

Die IG Metall hat angesichts der Zunahme psychischer Erkrankungen die Betriebe nachdrücklich zum Handeln aufgefordert. "Psychische Erkrankungen drohen zur Volkskrankheit des 21. Jahrhunderts zu werden, wenn nicht die Ursachen in den Betrieben angegangen werden", unterstrich Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall. Berichte von Betriebsräten bestätigen die Annahmen, dass diese Ursachen vor allem bei steigendem arbeitsbedingten Stress und psychischer Belastungen im Betrieb liegen.

Urban fordert, Thema Stress und psychische Gesundheit vor allem ohne Tabus in den Betrieben zu thematisieren, um frühzeitig vorbeugen oder wenigstens reagieren zu können: "Notwendig sind Frühwarnsysteme in den Betrieben, um rechtzeitig auf Stress auslösende und psychisch belastende Arbeitsbedingungen reagieren zu können." Die IG Metall kooperiert in diesem zusammenhang mit dem Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte; in einem gemeinsamen Positionspapier haben sich beide Verbände für mehr qualifizierte Beratung und Gesundheitsförderung ausgesprochen.

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