26.05.2010
Gute Arbeit - auch im Büro

Was in Produktion und Logistik als Effizienzsteigerung durch moderne Produktionssysteme Einzug hält, ist unter der Bezeichnung "Lean Office" auch in den Büros vor allem großer Unternehmen auf dem Vormarsch. Oft stoßen die Ansätze auf eine gesunde Skepsis bei Beschäftigten und Interessenvertretungen, und das nicht zu Unrecht.

Beschwerden durch psychische Belastungen
(Grafik zum Vergrößern anklicken)

Modern, dynamisch - oder einfach billig?

Häufig kommen unter dem Deckmäntelchen moderner, dynamischer Büroarbeitskonzepte Strukturen daher, die letztlich vor allem Geld sparen sollen - allzu oft auf Kosten der betroffenen Beschäftigten. Die IG Metall setzt diesem Trend ihre Initiative "Gute Arbeit im Büro" entgegen. Sie soll die Bedingungen von Leistungs und Arbeitsumgebung sowie die Arbeitszeitgestaltung in Büros unter die Lupe nehmen. Zum Auftakt trafen sich über 80 Betriebsräte, Vertrauensleute, Wissenschaftler und Berater vor kurzem in Frankfurt.

Sinkende Arbeitsqualität

Lange Arbeitszeiten, Arbeitsverdichtung und zunehmender Leistungs- und Produktivitätsdruck belasten viele BüroarbeiterInnen. In der Folge sinkt die Arbeitsqualität, was oft nicht "nur" die Zufriedenheit bei den Betroffenen mindert, sondern auch Tätigkeitsübergreifend gesundheitliche Beschwerden erzeugt. Ein zentraler Aspekt ist die Arbeitszeit, die aus Sicht der Beschäftigten einerseits häufig als gesundheitsgefährdend wahrgenommen wird, gleichzeitig jedoch als entscheidend für die Karrierechancen oder sogar den Arbeitsplatzerhalt. Ein wichtiges Ziel muss es deshalb ein Arbeitsklima sein, in dem es legitim ist, die Gesundheitsbelastungen zu kritisieren.

Ergonomische und psychische Belastungen im Vordergrund

Bei diesen Belastungen stehen mittlwerweile neben ergonomischen vor allem psychische Faktoren im Vordergrund. Selbstzuschreibung oder die Angst, nicht mehr als voll einsatzbereit zu gelten, verhindern oft den Blick der Beschäftigten auf die Arbeitsbedingungen als Ursachen von Stress oder Burnout. Neue Arbeitsformen wie offene Bürokonzepte, mobiles Arbeiten, Desk-Sharing und andere Maßnahmen, durch Flächenverdichtung Kosten zu reduzieren, bringen neue, spezielle Belastungen für die Betroffenen mit sich. Die Berichte der Betriebsräte im Projekt "Gute Arbeit im Büro" zeigen auf, wie groß hier der Handlungsdruck ist. Dazu muss die betroffenen ArbeitnehmerInnen sensibilisiert werden, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Um identifizierbare Mängel zu beseitigen, kann die gesetzlich vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung als zentraler Ansatzpunkt genutzt werden.

Bundesweit soll die Initiative "Gute Arbeit im Büro" in fünf bis sechs Pilotverwaltungsstellen der IG Metall durchgeführt werden (Frankfurt/Main, Wiesbaden-Limburg, Gevelsberg/Hattingen, Herborn, Kiel, Köln-Leverkusen, Ludwigsburg/Waiblingen). Die Pilotverwaltungsstellen und -betriebe werden durch ein festes Zwei-Personen-Team der IG Metall unterstützt. Workshops und Schulungen vor Ort sowie der Erfahrungsaustausch werden durch zentrale Veranstaltungen im Dezember 2010 und im Frühjahr 2011 ergänzt.

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