22.01.2009
Die Reichen werden immer reicher

Die Kluft zwischen Arm und Reich ist weiter gewachsen. Der Wohlstand in Deutschland konzentriert sich zunehmend am oberen Ende der Skala: Das reichste Zehntel der erwachsenen Bevölkerung besitzt inzwischen mehr als 60 Prozent des gesamten Privatvermögens. Dagegen haben zwei Drittel nichts, fast gar nichts oder sogar Schulden.

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© Grafik Hans-Böckler-Stiftung

Durchschnittlich 88.000 Euro Nettogesamtvermögen

Auf gut 6,6 Billionen Euro summierte sich das private Vermögen in Deutschland im Jahr 2007. Netto, also nach Abzug aller Schulden. Damit besaß jeder Einwohner über 17 Jahren im Durchschnitt rund 88.000 Euro als Nettogesamtvermögen. Das waren knapp 8.000 Euro oder rund zehn Prozent mehr als 2002, haben Joachim R. Frick und Markus M. Grabka in einer neuen, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie ermittelt. Die beiden Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) haben dazu die neuesten verfügbaren Vermögensdaten aus dem Soziooekonomischen Panel (SOEP) ausgewertet.

…. aber was heißt schon Durschnitt?

Über die reale Verteilung des Wohlstandes sagen die Durchschnittswerte jedoch wenig aus. Bei Anrechnung aller Verbindlichkeiten verfügte das wohlhabendste Zehntel der erwachsenen Bevölkerung im Jahr 2007 über 61,1 Prozent des privaten Vermögens. 2002 waren es noch 57,9 Prozent. Auf das reichste Hundertstel konzentrieren sich allein knapp 23 Prozent des Nettovermögens. Dagegen besaßen die weniger wohlhabenden 70 Prozent der Erwachsenen 2007 nur knapp neun Prozent des gesamten Nettovermögens – rund 1,5 Prozentpunkte weniger als 2002.

Zwei Drittel haben nichts, oder fast nichts

Nach Berechnung der Wissenschaftler haben etwa zwei Drittel der erwachsenen Bevölkerung netto kein oder nur ein geringes Geld- oder Sachvermögen. 27 Prozent aller Erwachsenen besitzen netto gar kein Vermögen, oder sie haben unter dem Strich sogar mehr Schulden als Eigentum.

Schere wird sich noch weiter öffnen

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich die Schere bei der Vermögensverteilung künftig weiter öffnen wird - auch in der Finanzkrise. Zwar hätten zahlreiche Geldanlagen, etwa Aktien, an Wert verloren. Finanzstarke Anleger seien aber oft nicht gezwungen, in der gegenwärtigen Baisse zu verkaufen und damit Verluste wirklich zu realisieren, argumentieren die Forscher. Dagegen treffe Arbeitslosigkeit häufiger Menschen mit geringerem Vermögen, die dieses im Verlaufe der Arbeitslosigkeit dann aufzehrten.

Gleichzeitig werden die Abgeltungssteuer und die Reform der Erbschaftsteuer Vermögende begünstigen und "die ökonomische Ungleichheit in Deutschland weiter verstärken", so die Forscher. Sie halten es für geboten, insbesondere die Ausgestaltung der Erbschaftsteuer neu zu überdenken, "um das Prinzip der Chancengleichheit in Deutschland zu stärken."

Nach Berufsgruppen analysiert hatten Selbständige und Unternehmer 2007 das höchste Nettovermögen, gefolgt von Beamten. Am unteren Ende der Skala rangieren Arbeiter und Angestellte sowie Arbeitslose und Nicht-Erwerbstätige.

Für die Studie wurden 23 000 Personen ab 17 Jahren befragt.

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