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Automobilkonferenz 2010
25.01.2010

Von: HR

IG Metall kritisiert Struktur der Vorstandsvergütung bei Siemens

(Pressedienst, 01 / 2010) Die IG Metall Bayern kritisiert das bei der Siemens AG bestehende System der Vorstandsvergütung, das der Hauptversammlung am 26. Januar 2010 zur Entscheidung vorgelegt werden soll.

Das bisherige Vergütungsmodell verfolgt das Ziel, Entscheidungen der Unternehmensführung an nachhaltiger, langfristiger Entwicklung auszurichten, nicht konsequent genug und trägt damit den Vorgaben des im Jahr 2009 in Kraft getretenen Gesetzes zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung (VorstG) nicht ausreichend Rechnung.

Die IG Metall Bayern begrüßt grundsätzlich den Entschluss der Siemens AG, entsprechend dem VorstG der Hauptversammlung die Vergütung der Siemens-Vorstände für das abgelaufene Geschäftsjahr zur Entscheidung vorzulegen, ohne einen entsprechenden Antrag der Aktionäre abzuwarten. Das Kernziel der gesetzlichen Neuregelung ist es jedoch, die Vergütungssysteme stärker an Nachhaltigkeit und langfristiger Unternehmensentwicklung zu orientieren - dieser Zielsetzung entspricht das bei der Siemens AG bestehende Vergütungsmodell bisher nicht.

Über 9,5 Millionen Euro der laut Vergütungsbericht insgesamt im Jahr 2009 an die Vorstandsmitglieder gezahlten gut 27 Millionen Euro bestehen aus Boni, die gemäß der Zielerreichung nach den Parametern Return On Capital Employed, Free Cash Flow und Umsatzwachstum berechnet werden. Dem gegenüber stehen weniger als 7,5 Millionen Fixgehälter und ebenfalls knapp 9,5 Millionen Euro in Form aktienbasierter Vergütung (Siemens Stock Awards).

Die Vorstandsvergütung orientiert sich damit zu einseitig am aktuellen Aktienkurs und kurzfristiger Rendite. Langfristige Unternehmensziele, die Sicherheit der Arbeitsplätze und nachhaltiges Wirtschaften spielen in der Struktur der Vorstandsgehälter keine Rolle.

Diese Gewichtung setzt nicht genügend Anreize für Investitionen in Standorte und in Beschäftigung, die sich möglicherweise erst nach mehreren Jahren positiv in der Bilanz auswirken, jedoch die Innovationsfähigkeit des Unternehmens verbessern und so die langfristige Unternehmensentwicklung nachhaltig stabilisieren. Sibylle Wankel, Tarifexpertin der IG Metall Bayern und Mitglied des Aufsichtsrates der Siemens AG, fasst zusammen: „Im Gegensatz zur Mehrheit der Beschäftigten bleiben die wenigsten Vorstände so lange im Unternehmen, dass sie trotz solcher Vergütungssysteme die langjährige Entwicklung in den Mittelpunkt ihrer Entscheidungen stellen. Damit entsteht eine Hemmschwelle für wichtige Zukunftsinvestitionen, die das eingesetzte Kapital erst nach einigen Jahren mit Gewinn wieder hereinbringen.“

Als weiterer Schwachpunkt berücksichtigt das aktuelle System zu wenig Faktoren, die sich trotz ihrer Bedeutung nicht kurzfristig in Börsenkurs und Kennzahlen niederschlagen, jedoch maßgeblich zum dauerhaften Erfolg von Unternehmen beitragen. Entscheidungen hinsichtlich der Entwicklung und Qualifizierung von Beschäftigten geraten mangels Ergebnisrelevanz ins Hintertreffen und werden bei der Vergütung weder positiv noch negativ berücksichtigt. Aktuell plant Siemens etwa Portfolio-Maßnahmen in mehreren Bereichen, die wirtschaftlich nicht nachvollziehbar sind, aber die berufliche Existenz von voraussichtlich weit über 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gefährden.

Die IG Metall Bayern mahnt Siemens vor diesem Hintergrund, die im Geschäftsbericht 2009 für das Jahr 2010 angekündigte weitere Entwicklung des Vorstandsvergütungssystems zu nutzen. Im Interesse aller Stakeholder der Siemens AG müssen entscheidende Anreize geschaffen werden, Management-Entscheidungen konsequent an der langfristigen Unternehmensentwicklung zu orientieren.

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