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28.01.2010 Von: MJ
IG Metall verlangt Alternativen zum Stellenabbau bei Siemens
(Pressedienst, 02 / 2010) Die IG Metall Bayern fordert Siemens auf, eine Alternative für die am 28. Januar 2010 bekannt gegebenen Abbaupläne in Bad Neustadt an der Saale und Erlangen zu entwickeln. Angesichts des Rekordergebnisses im ersten Quartal 2010 ist es einfallslos und unnötig, mit wenig stichhaltigen Argumenten die Abwicklung ganzer Geschäftsbereiche mit insgesamt rund 2.000 Beschäftigten in Deutschland zu planen.
Der Gesamtbetriebsrat der Siemens AG teilt diese Einschätzung. Siemens gab am Donnerstag dem Wirtschaftsausschuss des Gesamtbetriebsrates bekannt, dass in Bad Neustadt ein Teil des Standortes geschlossen und 840 Stellen abgebaut werden sollen. In Bad Neustadt stellen in den Bereichen Large Drives und Motion Control über 2.100 Beschäftigte Antriebssysteme und Motoren her. Am Erlanger Standort von Motion Control sollen 300 Stellen entfallen. Hinzu kommen an mehreren Standorten 850 Stellen der Division Industry Solutions.
Wie bereits andere Bereiche sollen diese Betriebe Opfer einer heftig umstrittenen Portfolio-Politik der Siemens AG werden. Weitere Beispiele sind Siemens Electronic Design and Manufacturing, Siemens IT Solutions and Services sowie Siemens Audiologische Technik, betroffen sind Tausende von Beschäftigten.
Die IG Metall Bayern und der Gesamtbetriebsrat fordern, tragfähige Alternativen für diese Bereiche zu entwickeln. Die Siemens-Beschäftigten haben durch ihre Einsparbeiträge und ihren Einsatz im ersten Quartal 2010 trotz der Wirtschaftskrise ein operatives Ergebnis der Siemens-Sektoren erwirtschaftet, das einmalig in der Unternehmensgeschichte ist. Der Vorstand denkt nach eigener Aussage bereits über eine Anhebung der Prognosen für das Gesamtjahr nach - gleichzeitig nach einer „Salamitaktik“ Bereiche und Geschäfte abzustoßen, ist nicht nachvollziehbar.
Sibylle Wankel, Tarifexpertin der IG Metall Bayern und Aufsichtsratsmitglied der Siemens AG, verlangt, für Bad Neustadt und alle anderen in der Diskussion stehenden Bereiche tragfähige Konzepte zu entwickeln, die Alternativen zu Stellenabbau und Standortschließungen bieten: "Siemens braucht eine Gesamtstrategie für Beschäftigung in Deutschland. Ein Unternehmen, das mit Innovation und Nachhaltigkeit wirbt, sollte wissen, wie wertvoll hohe Qualifikation und Motivation seiner Arbeitnehmer sind. Strukturellen Veränderungen kann man mit der Entwicklung alternativer Produkte und spezifischen Qualifizierungsplänen begegnen. Stellenabbau und Standortschließungen sind weder intelligent noch verantwortungsvoll und passen nicht zum größten Technologiekonzern in Deutschland."
Lothar Adler, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Siemens AG, unterstreicht den eklatanten Widerspruch zwischen der soeben auf der Hauptversammlung dargestellten Perspektive und der Situation der Belegschaft: "Die imageträchtig skizzierte strahlende Zukunft verwirklicht Siemens nicht, indem man ständig Beschäftigte vor eine ungewisse Perspektive stellt. Solche Ziele erreicht man nur mit einer motivierten Belegschaft, die nicht fortwährend an irgendeiner Ecke verkleinert wird."
Was die aktuellen Pläne für Bad Neustadt betrifft, gilt aus Sicht der IG Metall genauso wie für alle anderen aktuell betroffener Standorte: Sie stellt sich gemeinsam mit den Betriebsräten und den Beschäftigten gegen die Umsetzung in der jetzt geplanten Form. Betriebsbedingte Kündigungen weist sie in jedem Fall nachdrücklich zurück. Als erstes sind nun die Pläne der Siemens AG genauestens zu überprüfen und Alternativen zu diskutieren. In diesen Gesprächen wird sich zeigen, ob gemeinsame Lösungen möglich sind oder ob Siemens auf einen ernsthaften Konflikt mit der IG Metall und den Betriebsräten zusteuert.
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