(Pressedienst, 13 / 2009) Gestern, am 12.05.2009, hat die Geschäftsleitung dem Wirtschaftsausschuss der Schaeffler KG ihr Konzept zur Restrukturierung der Schaeffler Gruppe präsentiert. Danach sollen in der Schaeffler Gruppe in Deutschland die Personalkosten um 250 Mio. € gesenkt werden. Das entspricht 4.500 Arbeitsplätzen. Fast jeder sechste Arbeitsplatz würde wegfallen.
Nach Meinung des Gesamtbetriebsrats und der IG Metall ist der geplante Personalabbau die falsche Antwort auf die Herausforderungen. Nicht allein die Krise, sondern die hohe Verschuldung der Schaeffler Gruppe treibt die Manager zu dieser Reaktion. Die Schaeffler-Beschäftigten, die das Unternehmen groß gemacht haben und loyal zum Familienunternehmen standen, sollen jetzt die Zeche zahlen.
Betriebsräte und die IG Metall werden sich mit allen rechtlichen und gewerkschaftlichen Mitteln gegen den geplanten Personalabbau wehren.
Norbert Lenhard, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates der Schaeffler KG: „Der dramatische Personalabbau ist kein Zukunftskonzept. Er zerstört die Motivation, vernichtet Werte und schadet der Zukunft des Unternehmens. Nach Jahren mit zweistelligem Wachstum wird das Unternehmen so geschrumpft, dass es bei einem Anziehen der Konjunktur nicht profitiert."
Werner Neugebauer, Bezirksleiter der IG Metall Bayern: „Wenn der Unternehmensleitung nichts Dümmeres einfällt, als den Rückgang der Produktion einfach in Arbeitsplätze umzurechnen, dann ist das ein Niveau der Dreisatzrechnungen in der dritten oder vierten Klasse Hauptschule. Ich erwarte von der Unternehmensleitung eines Weltkonzerns mit insgesamt 66.000 Beschäftigten klügere und innovative Maßnahmen, als diese platten Vorschläge".
Gesamtbetriebsrat und IG Metall fordern vom Unternehmen, die Rücknahme des geplanten drastischen Personalabbaus, den Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen, die Übernahme aller Auszubildenden und die Sicherung aller Schaeffler-Standorte.
IG Metall und Gesamtbetriebsrat beanstanden, dass den Beschäftigten immer noch kein schlüssiges Gesamtkonzept vorgelegt wurde. Sie fordern das Management auf, endlich die offenen Fragen zu beantworten: Wer sind die zukünftigen Eigentümer? Und welchen Beitrag leisten die Banken zur Sanierung des Unternehmens?
Der Gesamtbetriebsrat der Schaeffler KG und die IG Metall erwarten von der Politik, dass sie die Gewährung von Staatshilfe an die Bedingung knüpft, dass betriebsbedingte Kündigungen in der Schaeffler Gruppe ausgeschlossen sind.
In der Zukunftsvereinbarung zwischen IG Metall und Familie Schaeffler heißt es: „Beide Seiten werden alles dafür tun, dass es nicht zu betriebsbedingten Kündigungen kommt. Sie werden gemeinsam an einer Strategie arbeiten, mit der die Standorte gesichert und weiterentwickelt werden können."
Zwischenzeitlich haben Vertreter der IG Metall und Schaeffler KG in einer Arbeitsgruppe eine „Zwischenvereinbarung" erarbeitet, in der das Ziel formuliert wird, betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern. Darin werden unter anderem die Nutzung von Kurzarbeit, die Reduzierung von Arbeitszeit, die Anwendung von Altersteilzeit sowie weitere tarifliche und betriebliche Maßnahmen zur Vermeidung von Entlassungen vorgeschlagen. In betrieblichen Verhandlungen soll sichergestellt werden, dass bis 30.06.2010 keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen und gleichzeitig die Kostensenkungsziele erreicht werden.
Die Arbeitsgruppe wurde ursprünglich im Februar eingerichtet, um die damals zwischen den Gesellschaftern der Schaeffler AG und der IG Metall erzielte „Zukunftsvereinbarung" zu konkretisieren und Umsetzungspunkte zu formulieren.
Damit ist Betriebsrat und IG Metall auf der einen Seite und der Geschäftsleitung der Schaeffler AG auf der anderen Seite einen Verhandlungsweg eröffnet, um eine gemeinsame Lösung zu erreichen.


