In der deutschen Öffentlichkeit wird gerne argumentiert, die Löhne in der Bundesrepublik wären die höchsten in ganz Europa. Es kommt aber nicht auf die absolute Höhe der Löhne an, sondern was für diesen Lohn pro Stunde produziert wird – auf die Lohnstückkosten also. Und da schaut der europäische Vergleich ganz anders aus.
Das Argument, die deutsche Arbeitstunde in der westdeutschen Industrie sei mit 27,60 Euro die teuerste der Welt zieht nicht. Es kommt immer auf den Lohn im Verhältnis zur Produktivität an – und da ergibt sich ein anderes Bild. Erst wenn man die Löhne je produzierter Einheit vergleicht (Lohnstückkosten), kommt man zu vergleichbaren Zahlen. Wenn man die Lohnstückkosten vergleicht, sind die Ergebnisse völlig anders: „Tschechische Löhne werden dann auf einmal teurer als deutsche“, stellt Robert von Heusinger fest, Finanzmarktexperte der renommierten Wochenzeitung „Die Zeit“.
Die Lohnstückkosten in Deutschland sind im übrigen in den vergangenen zehn Jahren leicht gesunken. Damit hat sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Ländern verbessert. Dort sind die Lohnstückkosten deutlich gestiegen, in Großbritannien sogar um rund 60 Prozent.
Im Zeit-Weblog schreibt Robert Hausinger weiter: „Hält die Lohnzurückhaltung an, die ja in vielen Fällen eine reale, wenn nicht sogar nominale Senkung ist, dann destabilisieren wir nicht nur unsere Volkswirtschaft, sondern die europäische gleich mit“
Er bestätigt damit eine Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), die eben zu dem Ergebnis gekommen ist, dass Lohnzurückhaltung Hunderttausende von Arbeitsplätzen kostet.
Den vollständigen Zeit-Weblog gibt es hier: „Abwertungswettlauf via Lohnstückkosten“



