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26.08.2008
Beginn einer neuen Ära

Das Pokerspiel um die Cont-Übernahme ist zu Ende. Auf Druck der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat hatte Conti-Vorstandsvorsitzender Wennemer in der rechtlich verbindlichen Investorenvereinbarung auch wichtige Zusagen für die Beschäftigten mitverhandelt. Zusagen, die er bei der VDO-Übernahme selbst nicht geben wollte.

Erwin Wörle

Über das letztlich positive Ergebnis der Übernahmeschlacht für die Beschäftigten der Continental AG informieren IG Metall und Betriebsräte mit einem Flugblatt, das seit heute an allen Conti-Standorten verteilt wird (siehe Datei im Anhang: Conti_4-08.pdf).

  • Der Einstieg bei Schaeffler gefährdet keine Arbeitsplätze bei der Continental AG
  • Bestehende Vereinbarungen, Regelungen und Tarifverträge werden bestätigt
  • Schaeffler wird nicht ohne Zustimmung des Vorstandes und des Aufsichtsrates der Continental AG darauf hinwirken, dass die paritätische Mitbestimmung im Aufsichtsrat der Continental AG abgeschafft wird.

Schaeffler wird ohne Zustimmung des Vorstands der Continental AG nicht darauf hinwirken:

  • dass es zu Standortschließungen oder zur Veräußerung von Divisionen kommt
  • dass der Konzernsitz der Continental AG in Hannover oder zentrale Konzern-/Divisionsfunktionen (z.B. Frankfurt oder Regensburg) verlegt werden
  • dass die Flächentarifverträge von BCE und IG Metall und die Mitgliedschaft in tarifgebundenen Arbeitgeberverbänden in Frage gestellt werden

 

Erwin Wörle, GBR-Vorsitzender von Conti-Temic und Mitglied des Conti-Aufsichtsrates spricht vom Beginn einer neuen Ära: „Zwei eigenständige Konzerne sind bisher durch Zukäufe von mehreren Einzelgesellschaften nebeneinander enorm gewachsen und stehen sich heute Hand in Hand gegenüber. Es ist noch gar nicht klar, wie sie aufgrund der Unterschiede zusammenwachsen sollen. Continental hat weltweit 150.000 Beschäftigte, davon werden 51.000 vom KBR Conti vertreten. Bei Schaeffler sind von den 66.000 Beschäftigten weltweit 30.000 über den KBR Schaeffler organisiert. Für die Arbeitnehmervertretungen gilt es ein gemeinsames Dach zu formen, wofür es noch kein Beispiel oder Vorbild gibt.“

Nach dem zweiten Verkauf innerhalb kurzer Zeit und nach den turbulenten Zeiten, die hinter den Beschäftigten der früheren Siemens VDO Automotive AG liegen, fordert, GBR-Vorsitzender Hans Fischl: „Wir brauchen Vertrauen in die Zukunft unserer Arbeitsplätze.“

Nicht nur der ursprünglich geplante Börsengang und der dann überraschende Kauf durch die Continental AG hätten Spuren hinterlassen, auch die noch nicht abgeschlossenen Maßnahmen zur Integration der früheren Siemens-VDO in den Conti-Konzern hätten dazu geführt, dass viele Beschäftigte die Firma verlassen haben, schreibt Fischl. Umso wichtiger sei es nun, dass schnell wieder Ruhe einkehrt und die Beschäftigten wieder Vertrauen in die Zukunft gewinnen können. „Die von Schaeffler gegebenen Zusagen werden dazu beitragen. Bei dem Kauf von Siemens VDO wurden uns vom Conti-Vorstand keine derartigen Zusagen gegeben.“

Hartmut Meine, Aufsichtsratsmitglied der Continental AG und IG Metall Bezirksleiter in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt spricht von einem „Erfolg für Interessenvertretung und Gewerkschaften“ Es gäbe bisher kein Beispiel dafür, dass ein Großaktionär, der weniger als 50 Prozent der Aktien besitzt, eine Vereinbarung mit den zuständigen Gewerkschaften und dem Konzernbetriebsrat trifft. Das sei jetzt erstmals gelungen: „Die in sieben Punkten gemachten Zusagen bieten sicherlich keinen absoluten Schutz, aber sie minimieren die Risiken und sind ein Rahmen in künftigen Auseinandersetzungen“.

 

Herr Dr. Neumann und Herr Dr. Geißinger: Wir nehmen sie beim Wort

Im Flugblatt kündigen Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat, Betriebsräte und Vertrauensleute der IG Metall an, sie würden die zukünftige Unternehmenspolitik, die jetzt maßgeblich von Schaeffler beeinflusst werden wird, auch weiterhin kritisch begleiten: „Die Beschäftigten wollen Arbeit und eine sichere Existenz. Sie wollen den Erhalt der Standorte und gute Arbeitsbedingungen. Eigentum soll dem Wohl der Allgemeinheit dienen - so steht es in unserem Grundgesetz. Nicht geschrieben steht, dass Eigentum zu Riesenprofiten für Großanleger verpflichtet. Wir werden uns weiterhin immer dort zur Wehr setzen, wo Arbeitsplätze auf dem Altar der Gewinnmaximierung geopfert werden sollen, wenn unzumutbare Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen verlangt werden und wenn der Arbeitsdruck ins Unendliche steigt. Die IG Metall und ihre Mitglieder stehen für “Gute Arbeit” und gutes Entgelt. Mit einer starken Gewerkschaft im Rücken ist viel möglich.“

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