In vier von fünf deutschen Betrieben stehen Beschäftigte ständig unter hohem Zeit- und Leistungsdruck, die psychischen Belastungen am Arbeitsplatz sind in den letzten Jahren gewachsen, sagen Betriebsräte. Das zeigen erste Daten aus der neuen Betriebsrätebefragung des WSI. Die Wirtschaftskrise dürfte die Situation noch verschärfen.
Knappe Zeit, hoher Druck – für immer mehr Arbeitnehmer ist Stress ein Dauerzustand. In 84 Prozent der deutschen Betriebe gibt es Mitarbeiter, die ständig unter hohem Zeit- und Leistungsdruck arbeiten. Betroffen sind in diesen Unternehmen nicht nur einzelne Beschäftigte mit speziellen Aufgaben, sondern mit durchschnittlich 43 Prozent große Teile der Belegschaft.
Das zeigen erste Daten aus der neuen Betriebsrätebefragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung. Zwischen September 2008 und Januar 2009 wurden 1.700 Arbeitnehmervertreter aus Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten befragt.
Die psychischen Belastungen haben in den vergangenen drei Jahren zugenommen, sagten 79 Prozent der befragten Betriebsräte. Besonders stark unter Druck stehen demnach Beschäftigte in Dienstleistungsberufen sowie in den Branchen Verkehr, Nachrichten und Telekommunikation. Dort ist etwa jeder Zweite betroffen.
Krise vermindert den Druck nicht
Die aktuelle Auftragslage der Unternehmen hat offenbar wenig Einfluss auf den Zeit- und Leistungsdruck: Den Anteil der Beschäftigten unter Dauerstress schätzten Betriebsräte trotz beginnender Wirtschaftskrise ähnlich ein, egal ob sie in Unternehmen mit gut gefüllten Auftragsbüchern arbeiten oder in schlecht laufenden Betrieben. Für die Zukunft erwartet WSI-Gesundheitsexpertin, Elke Ahlers, allerdings durch die Wirtschaftskrise eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen: „Die Personaldecke in den Betrieben wird noch dünner, die Angst vor dem Jobverlust zunehmen. Dies dürfte sich negativ auf die Gesundheit der Beschäftigten auswirke.



