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08.02.2008
Immer mehr Menschen ohne Krankenversicherung

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren im ersten Quartal 2007 in Deutschland 211 000 Menschen nicht krankenversichert und besaßen auch keinen sonstigen Anspruch auf Krankenversorgung. Das sind 19 Prozent mehr als bei der letzten Erhebung im Jahr 2003.

Wie das Statistische Bundesamt in einer Pressemeldung bekannt gab, zeigten dies die Ergebnisse des alle vier Jahre erhobenen Zusatzprogramms „Angaben zur Krankenversicherung“ im Mikrozensus. Die Zahl der Nichtversicherten ist im Vierjahresrhythmus um jeweils rund ein Fünftel (2003 gegenüber 1999: + 22 Prozent; 2007 gegen­über 2003: + 19 Prozent) erhöht.

 

Zu den Personen mit einem sonstigen Anspruch auf Krankenversorgung zählen beispielsweise Beamtinnen und Beamte, Richterinnen und Richter, Soldatinnen und Soldaten sowie Grundwehrdienst- und Zivildienstleistende.

 

Auch der Anteil der Nichtversicherten an der Gesamtbevölkerung wächst damit im genannten Zeitraum von 0,2 Prozent auf 0,3 Prozent.

 

Männer besonders betroffen

Zu dieser Entwicklung trugen vor allem die Männer bei: Im Jahr 1999 betrug die Zahl der nicht krankenversicherten Männer 79 000. Vier Jahre später stieg sie auf 104 000 und im Jahr 2007 auf 142 000. Damit stellten Männer 1999 deutschlandweit gut die Hälfte (55 Prozent) aller Personen ohne Krankenversicherungsschutz, 2003 lag ihr Anteil bei knapp drei Fünfteln (59 Prozent) und 2007 bei rund zwei Dritteln (67 Prozent).

 

Nähere Angaben zur statistischen Zusammensetzung dieser Bevölkerungsgruppe gehen aus den Angaben des Bundesamtes leider nicht hervor. Frühere Untersuchungen z. B. im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung gehen davon aus, dass darunter zahlreiche Selbstständige mit kleinem Einkommen sind sowie geringfügig Beschäftigte, die sich weder über eine gesetzliche noch über eine private Kasse absichern.

 

Aus den verschiedensten Gründen, wie Einreise aus dem Ausland oder Kündigung einer freiwilligen Versicherung aus finanzieller Not, hat diese Personengruppe keinerlei Versicherungsschutz.

 

Die Gesundheitsökonomen Prof. Dr. Jürgen Wasem, Dr. Stefan Greß und Anke Walendzik von der Universität Duisburg-Essen, die im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung im Oktober 2005 eine Expertise erstellten, schätzen die tatsächliche Zahl der Nichtversicherten sogar eher noch höher, da beispielsweise Migranten ohne Aufenthaltsgenehmigung in der Statistik nur selten erfasst sind.

 

Das Team um Prof. Dr. Wasem warnte vor den Konsequenzen der Versicherungslücke, wie sie amerikanische Wissenschaftler seit Längerem beschreiben: Nichtversicherte lassen sich seltener impfen, sie werden häufiger krank und sterben früher als Versicherte. Den Gang zum Arzt zögern sie hinaus.

 

Hilfe durch Gesundheitsreform?

Die Bundesregierung hofft, dass durch die Gesundheitsreform die Zahl der Nichtversicherten deutlich zurückgeht. Mit der Gesundheitsreform zum 1. April 2007 besteht das Recht zur Rückkehr in die gesetzliche Krankenkasse, seither seien mehr als 100 000 Menschen in die gesetzliche Krankenversicherung zurückgekehrt, sagte eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums am Donnerstag in Berlin. Möglich also, dass die Zahl unterdessen zurückgegangen ist, denn die Statistikerhebung bezieht sich auf das Vierteljahr vor dem Inkrafttreten der Gesundheitsreform.

 

Wirkliche Hilfe würde aber nur eine solidarische Bürgerversicherung bringen, wie sie z. B. die IG Metall seit Jahren fordert. Mit einer schrittweisen Einbeziehung aller ArbeitnehmerInnen in das solidarische System und die Ausweitung des Versichertenkreises auch auf Selbstständige, Freiberufler und Beamte. Auch das Kernproblem des bestehenden Gesundheitssystems, die ungerechte Verteilung der Risiken zwischen der privaten und der gesetzlichen Krankenversicherung, würde bei der Einführung einer Bürgerversicherung beseitigt.

 

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