Die Beschäftigten in Deutschland schätzen ihre Arbeitsbedingungen sehr unterschiedlich ein. Zu diesem Ergebnis kommt der DGB-Index Gute Arbeit 2009, den der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) heute in Berlin vorgestellt hat
Während der Index im Westen einen Wert von 59 Punkten erreicht, liegt er im Osten bei 55 Punkten. Diese Unterschiede zeigen sich auch in der prozentualen Verteilung. Im Westen berichten 13 Prozent der Beschäftigten von Guter Arbeit, im Osten 8 Prozent, spiegelbildlich dazu verhält sich die als schlecht bewertete Arbeit: 31 Prozent in den westdeutschen Bundesländern, 40 Prozent in den ostdeutschen. Die schlechteren Werte in Ostdeutschland sind vor allem auf den Teilindex Einkommen/Sicherheit zurückzuführen.
Von gleichwertigen Lebensverhältnissen weit entfernt
Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer nannte das deutliche West-Ost-Gefälle „alarmierend“. Da die aktuellen Zahlen im ersten Quartal des Jahres erhoben worden seien, spiegelten sie noch nicht die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise wider. „Das macht den Handlungsdruck mehr als deutlich,“ so Sommer. Der DGB-Vorsitzende forderte, am Ziel gleichwertiger Lebensverhältnisse in Ost und West festzuhalten. „Neben betrieblichen und tarifpolitischen Initiativen brauchen wir auch die politischen Rahmenbedingungen für Gute Arbeit in Deutschland und Europa, von der Leiharbeit, über Mindestlöhne bis zur Mitbestimmung.“
Insgesamt schätzen die Beschäftigten in Deutschland ihre Arbeitsbedingungen sehr konstant ein. 2009 werden 12 Prozent der Arbeitsplätze als umfassend positiv beschrieben, 55 Prozent liegen im Mittelfeld, 33 Prozent werden schlecht bewertet. Der DGB-Index erreicht im Jahr 2009 einen Wert von 58 Punkten und liegt damit 22 Punkte unter den Anforderungen an Gute Arbeit, aber nur acht Punkte oberhalb der Grenze zu schlechter Arbeit. 15 Kategorien, von Qualifizierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten bis Einkommen, fließen in den DGB-Index Gute Arbeit ein. Auf dieser Grundlage ist eine detaillierte Berichterstattung möglich, was ArbeitnehmerInnen unter Guter Arbeit verstehen (Indexwert 80 bis 100).
Nur jeder Zweite bis zum Rentenalter
Laut Index-Befragung geht nur jeder zweite Beschäftigte davon aus, unter den derzeitigen Arbeitsbedingungen seine Tätigkeit bis zum Rentenalter ausüben zu können. In der Gruppe der prekär Beschäftigten sinkt diese Selbsteinschätzung auf 35 Prozent. Insbesondere Arbeitshetze und Zeitdruck haben gravierende Auswirkungen auf das Arbeitsvermögen der Beschäftigten. Lediglich 19 Prozent derer, die diesen Belastungen ausgesetzt sind, rechnen damit, diesen Arbeitsbedingungen bis zur Rente Stand halten zu können.
„Wer bei all diesen Ergebnissen immer noch glaubt, an der Rente mit 67 festhalten zu müssen, ist auf dem Holzweg“, sagte der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel. Die Liberalisierung und Deregulierung des Arbeitsmarktes habe vor allem der jungen Generation ihre Zukunftschancen geraubt, zwei Drittel sei prekär bzw. atypisch beschäftigt. „Schluss mit ‚Generation Prekär“, forderte Wetzel. „Dem Ziel von mehr Sicherheit und weniger Armut durch reguläre Jobs müssen sich alle verpflichten, die politische Verantwortung in diesem Land tragen.“
Der DGB-Index Gute Arbeit macht auch große Unterschiede bei den Arbeitszeiten deutlich. Bei einer vereinbarten Vollzeit-Beschäftigung von 39 Stunden liegt die tatsächlich geleistete Arbeitszeit bei durchschnittlich 44 Stunden. Die Beschäftigten dagegen favorisieren eine 38-Stunden-Woche, mehr als 40 Stunden möchten lediglich 10 Prozent der Vollzeitbeschäftigten arbeiten. Die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Margret Mönig-Raane kritisierte, dass die vereinbarten Arbeitszeiten nicht eingehalten werden: „Das wäre ein enormes Potenzial für die Verkürzung der tatsächlichen Arbeitszeiten und käme den Bedürfnissen der Menschen entgegen.“
Der Index beruht auf den Aussagen von 7930 Befragten aller Regionen, Einkommensgruppen, Branchen, Betriebsgrößen und Arbeitsverhältnisse und ist damit repräsentativ für die Meinung der Beschäftigten in Deutschland.



