„Für 4, 89 Euro gehe ich nicht arbeiten", „Mehrere Tausend Arbeitnehmer in Deutschland verdienen zu wenig. Sie auch?“ Mit diesen Slogans gegen das Lohndumping in der Leiharbeitsbranche argumentieren nicht etwa die Gewerkschaften. Hinter der Kampagne steckt ausgerechnet der Bundesverband Zeitarbeit (BZA).
Der Verband greift mit Anzeigen und einer eigens eingerichteten Homepage die Konkurrenz an. Wie die Frankfurter Rundschau berichtet, versuchen die im BZA zusammengeschlossenen Zeitarbeitsfirmen aus ihrer Schmuddelecke als Lohndrücker und Billigheimer rauszukommen: Mit Slogans wie "Da verdiene ich mehr" geht es gegen Dumpinglöhne für Zeitarbeiter.
Unter www.da-verdiene-ich-mehr.de können Arbeitsuchende herausfinden, ob die Zeitarbeitsfirma, bei der sie sich bewerben wollen, Lohndumping betreibt oder nicht. Auf Mausklick werden die branchenüblichen Löhne präsentiert: "7,38 Euro oder 5,08 Euro – Wie würden Sie entscheiden?", heißt es da.
In der Zeitarbeitsbranche gibt es bislang weder Mindestlohn noch allgemeinverbindliche Tarife. Der DGB-Tarif gilt laut Verbänden für 60 bis 70 Prozent der rund 600.000 Zeitarbeitnehmer in Deutschland. Der konkurrierende Arbeitgeberverband mittelständischer Personaldienstleister AMP blieb mit seiner Vereinbarung mit christlichen Gewerkschaften darunter – und zahlt 6,34 Euro. Andernorts gelten Haustarife, so dass Löhne von fünf Euro keine Seltenheit sind. Der BZA will jetzt einheitliche Standards in der Branche und den eigenen Tarif als Mindestlohn für die gesamte Branche.
Die Aktion hat in der Zeitarbeitsbranche offenbar heftig Staub aufgewirbelt. Die an den Pranger gestellten Zeitarbeitsverbände reagieren verärgert. Uwe Bayer, Geschäftsführer des Branchenriesen Adecco wird in einem anderen Artikel der FR zitiert: Den Ärger der Konkurrenz könne er zwar nachvollziehen: "Die haben Angst, dass ihnen die Leute weglaufen. Wir haben den besseren Tarifvertrag." Und auf ihrer Homepage wirbt die Aktion mit dem Slogan „“Wir bezahlen mehr“.
Das ein Arbeitgeber öffentlich für sich mit dem Argument wirbt, er habe die besseren Tarifverträge, dürfte in der Tarifgeschichte auch ein eher seltener Vorgang sein.
Aber die IG Metall-Forderung nach gleicher Bezahlung für Leiharbeiter und Stammbelegschaften lehnt der BZA ab. Das soll angeblich 300.000 Jobs in Zeitarbeitsfirmen vernichten. Woher diese Märchenzahl kommt, ist schleierhaft. Denn die Aufträge sind ja da. In den Niederlanden boomt die Zeitarbeit, obwohl die Leiharbeiter dort sogar mehr bekommen als die Stammbelegschaften.



