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22.10.2007
IHKs sehen Fachkräftemangel in bedrohlichem Ausmaß und fordern leichtere Zuwanderung

Nach Berechnungen des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK) sind in Bayern derzeit rund 30 000 Arbeitsplätze mangels geeigneter Bewerber nicht besetzt. Deshalb fordert Hauptgeschäftsführer Reinhard Dörfler die Zuwanderung von Spezialisten aus dem Ausland zu erleichtern. Die IG Metall hält das für den falschen Weg dem Fachkräftemangel zu begegnen.

Dr. Reinhard Dörfler, Hauptgeschäftsführer
Bay. Industrie- und Handelskammertag

Nach einer aktuelle Umfrage der bayerischen IHKs unter 3 000 Unternehmen, können knapp 31 Prozent der Befragten ihre offenen Stellen nicht besetzen. Insbesondere in der Industrie und bei den Dienstleistern fehlten Fachkräfte. „Um den Unternehmen möglichst rasch zu helfen, muss eine gesteuerte Zuwanderung von Spezialisten aus dem Ausland erleichtert werden, bevor die fehlenden Fachkräfte zur Konjunkturbremse werden“, forderte Reinhard Dörfler, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK).

 

In den Großunternehmen mit 1 000 und mehr Mitarbeitern habe der Fachkräftemangel bedrohliche Ausmaße angenommen. In dieser Größenklasse gaben 75 Prozent der Befragten an, keine geeigneten Mitarbeiter zu finden. Vor allem Ingenieure sind gesucht. „Kleine und mittelständische Unternehmen mit weniger als 200 Mitarbeitern finden hingegen nicht genügend qualifizierte Bewerber mit abgeschlossener Lehre oder Meisterbrief“, so Dörfler.

 

Die Unternehmen könnten Fehlentwicklungen in der Bildungspolitik und die Auswirkungen des demografischen Wandels nicht alleine auffangen. Das derzeitige Zuwanderungsrecht biete den Unternehmen viel zu wenig Möglichkeiten, ausländische Spezialisten zu beschäftigen. Vor allem das noch immer vorgeschriebene Mindestgehalt von 85 000 Euro pro Jahr für ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht sei für den Großteil der Betriebe nicht bezahlbar. Zudem dürfe die Abschottung des deutschen Arbeitsmarktes gegenüber den osteuropäischen EU-Beitrittsländern keinesfalls über 2009 hinaus andauern. „Die geltenden Regelungen behindern die bayerischen Unternehmen schon jetzt bei ihren Auslandsgeschäften, der nach wie vor wichtigsten Stütze der Konjunktur“, so Dörfler. Das dürfe sich keinesfalls fortsetzen.

 

Fachkräftemangel auch in den osteuropäischen Staaten

Beim Präsidententreffen der Metallgewerkschaften des Wiener Memorandums (Metallgewerkschaften aus Ungarn, Tschechien, Slowenien, Slowakei, Österreich, Bayern) vor wenigen Tagen in Portorož (Slowenien) berichteten alle Beteiligten über Fachkräftemangel in ihren Ländern. Insbesondere in der Region um Prag, aber auch in Teilen Sloweniens werden Fachkräfte knapp. Verschärft wird der Fachkräftemangel in diesen Ländern noch durch verstärkte Abwanderung von Fachkräften nach Österreich oder Bayern, weil sie dort einfach besser bezahlt werden.

 

Die Vorsitzenden, Präsidenten und Bezirksleiter der Gewerkschaften aus den genannten Ländern haben daher vereinbart, das Thema „Fachkräftemangel“ in den Mittelpunkt ihrer Beratungen im nächsten Jahr zu nehmen.

 

D.h. die Forderung des BIHK ist nichts anderes als die Lösung eines Problems auf dem Rücken anderer Ländern. Angesichts von immer noch über 3,54 Millionen offiziell registrierten Arbeitslosen in der Bundesrepublik erscheint die BIHK-Forderung doch etwas einfallslos. Sinnvoller wäre es wohl, die Themen Bildung, Qualifizierung und verstärkte Weiterbildung mehr in den Blick zu nehmen.

 

Dr. Regina Görner, Mitglied des Geschäftsführend Vorstands der IG Metall sagte bei der Vorstellung der Fachkräfte-Initiative der IG Metall, erst wenn alle Hausaufgaben gemacht worden seien und immer noch Fachkräftemangel drohe, dürfe man mit ihr gerne über erleichterte Zuwanderungsmöglichkeiten reden: „Die IG Metall hat sich immer für ein weltoffenes Deutschland eingesetzt. Aber anderen Ländern die ausgebildeten Fachkräfte abwerben zu wollen, damit wir so weitermachen können wie bisher - das wäre doch die reine Abzocke! Nicht mit der IG Metall!“

 

Statt jetzt das Problem auf dem Rücken anderer Länder lösen zu wollen, wäre es besser Ingenieure nachzuqualifizieren und für Arbeitslose und ältere erwerbslose Ingenieure individuell zugeschnittene Weiterbildungsmaßnahmen anzubieten, Studiengebühren abzuschaffen und die Fachhochschulen und Universitäten für Menschen mit beruflichen Qualifikationen aber ohne formale Hochschulreife zu öffnen. Von den Unternehmen fordert die IG Metall eine Ausbildungsquote von mindestens sieben Prozent über alle Branchen hinweg und den systematischen Ausbau der Weiterbildung.

 

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