In 15 bis 20 Jahren laufen offenbar Millionen Rentner Gefahr, trotz ihrer sauer ersparten Riester-Rente keinen einzigen Euro zusätzlich in der Tasche zu haben. Nach Informationen des ARD-Magazins Monitor lohnt sich die staatlich geförderte Riester-Rente nur in den wenigsten Fällen.
Demnach werde selbst ein Durchschnittsverdiener, der 32 Jahre lang in die Rentenkasse einzahle, im Jahr 2030 keinen Nutzen von der Riester-Rente haben.
Das Magazin beruft sich auf interne Berechnungen der Deutschen Rentenversicherung. Den Angaben zufolge sind in Zukunft vor allem Rentner betroffen, die im Alter auf Sozialhilfe angewiesen sind. Schuld sei das seit Jahren sinkende Leistungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung und eine gesetzliche Regelung, die bislang selbst Experten kaum bekannt sei: die Anrechnung der Riester-Ersparnis auf die Grundsicherung. Die staatliche Grundsicherung werde in diesen Fällen um den Betrag der angesparten Riester-Rente gekürzt. Statt für den Lebensabend, sparten viele Bürger dann für das Sozialamt. Nach Angaben des Bundes gab es in Deutschland im September 2007 rund 9,7 Millionen Riester-Verträge.
Löst sich die Riester-Förderung in Luft auf?
Heißt das, dass hunderttausende, wenn nicht Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer privat "Riestern", damit sich der Staat morgen Millionen einsparen kann? In dem Beitrag, den die ARD am Donnerstagabend ausstrahlte, kommt auch der Renten-Experte Prof. Winfried Schmähl zu Wort. Schmähl ist Mitglied des Beirats Forschungsförderung beim Verband Deutscher Rentenversicherungsträger, er war auch Mitglied der Sachverständigenkommission des Bundestags für den Altenbericht. "Wir werden wohl davon ausgehen müssen, dass die Zahl derjenigen, die tatsächlich Grundsicherung benötigen und für die die Riester-Förderung gewissermaßen sich in Luft auflöst, sich deutlich erhöht und dann in die Millionen geht“, sagte Schmähl.
In einer aktuellen Position nannte die Deutschen Rentenversicherung Bund die Darstellung des ARD-Magazins, dass ein Arbeitnehmer mit durchschnittlichem Einkommen, der 32 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt hat, keinen Nutzen von der Riester-Rente habe „sehr irreführend“ und die pauschale Aussage, dass für einen Durchschnittsverdiener die Riester-Rente nicht sinnvoll sein kann, „sehr problematisch“. Mit einer solchen Grundeinstellung könnte man sämtliche Sparvorgänge und in letzter Konsequenz auch die Erwerbstätigkeit einstellen und auf die Versorgung durch den Staat vertrauen.
Der Berechnung von Monitor, dass sich für viele Millionen Betroffene die Rente – trotz jahrelangem Ansparen – nicht erhöht, hat der europaweit größte gesetzliche Rentenversicherer aber nicht widersprochen.
In Monitor kam auch der Berater der Bundesregierung und Vorsitzende des Sachverständigenrates, Bert Rürup zu Wort, der selber maßgeblich am Zustandekommen der Riester-Rente beteiligt war. Er gibt jetzt zu, dass es sich für Geringverdiener nicht lohnen könne, einen Riester-Vertrag abzuschließen. Er fordert deshalb Konsequenzen: Wer privat vorsorge, müsse das Geld auch tatsächlich später zusätzlich in der Tasche haben. Deshalb müsse die gesetzliche Rentenversicherung mindestens das Existenzminimum sichern, so Rürup. Er will eine Reform der Rentenversicherung: Eine Mindestrente für alle und die Riester-Rente dann zusätzlich.
Auch Fitz Schösser, Vorsitzender des DGB-Bayern und Rentenexperte bestätigte, dass sich eine Riester-Rente für Geringverdiener, Teilzeitbeschäftigte, Beschäftigte mit weniger als 30 Versicherungsjahren und Beschäftigte mit unsteter Erwerbsbiographie oft nicht lohnen würde, da dadurch kein einziger Cent mehr Rente heraus käme. Besonders benachteiligt seien hier wieder einmal die Frauen, auf die oft eines oder mehrere dieser Kriterien zuträfen. Bereits bei der Vertrauensleutekonferenz 2006 (!!) der IG Metall Bayern sagte Schösser, für die genannte Personengruppe sei die Riester-Rente ein „Betrug am Sparer“.
Schlechte Beratung
Monitor machte die Probe aufs Exempel und ließ sich beraten, bei einem Versicherer, einer führenden Bank und einem Versicherungsunternehmen. Monitor-Mitarbeiter gaben sich als typische Geringverdiener, alleinstehend, mit Kindern aus, Ergebnis: in allen drei Fällen wurde von den Beratern nicht nur nicht auf das Problem hingewiesen, sondern auf ausdrückliche Nachfrage, sogar ausdrücklich das Gegenteil behauptet. Monitor zitiert den Berater einer Landesbank: „Der Staat darf nicht sagen, ich zahle im Alter weniger Sozialhilfe, wegen Riester, das kommt auf jeden Fall oben drauf“. Diese Auskunft ist nachweislich falsch, ob aus Unwissenheit des Beraters oder durch gezieltes Verschweigen ließ sich nicht klären.



