Über 300.000 Beschäftigte im Bereich der IG Metall haben sich in den vergangenen Wochen an den Protesten gegen die Rente mit 67 und Appellen für das Fortbestehen vorzeitiger Ausstiegssoptionen beteiligt. Ein unübersehbarer Erfolg - aber längst nicht das Ende der Fahnenstange.
Der Vorstand der IG Metall hat Anfang Februar über die aktuelle Entwicklung und die Fortsetzung der Aktivitäten beraten. Fest steht, dass die Auseinandersetzung um die Zukunft der sozialen Rentenversicherung, Regelaltersgrenzen und Möglichkeiten des vorzeitigen Ausstiegs aus dem Erwerbsleben mit den bisherigen Aktionen keineswegs zu Ende ist.
Gesetzgebungsprozess begleiten
Den laufenden Gesetzgebungsprozess will die Gewerkschaft entsprechend weiter mit Mobilisierungsmaßnahmen begleiten, um auf Korrekturen zu drängen. Nächster Stichtag ist der 9. März, an dem das Rentengesetz erneut zur Lesung im Bundestag ist; bis dahin wird im Rahmen betrieblicher, regionaler und lokaler Aktionen mit neuen Akzenten an die Aktivitäten angeknüpft. Aber auch über dieses Datum hinaus will man daran arbeiten, die Verweigerungshaltung der Bundesregierung gegen den Willen einer breiten Mehrheit in der Bevölkerung zu überwinden.
Offensiv auf Politiker zugehen
Einer der Akzente ist es beispielsweise, sich aktiv an Bundestagsabgeordnete zu wenden, einerseits, damit diese konkret zu den Rentengesetzen Position beziehen, andererseits, um die eigene Haltung zu vermitteln. Abgeordnete kann man auch zu so genannten "Arbeitsproben" einzuladen; wer einmal am eigenen Leib erfährt, wie fordernd die Arbeit vieler ArbeitnehmerInnen in der Industrie wirklich ist, wird seine Meinung über die Möglichkeit, solche Tätigkeiten noch mit 66 Jahren auszuführen, überdenken müssen. Last but not least kann und soll die Debatte weiter in den Belegschaften der Betriebe geführt werden.
Arbeitgeber einbinden
Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist das Einbinden der Arbeitgeber in den Beurteilungsprozess der Rentenpläne. Sie wissen aus der betrieblichen Praxis oft nur zu gut, dass nicht nur die Arbeit bis 67 über weite Strecken ein Phantasiegebilde ist, sondern es obendrein gar nicht ausreichend Beschäftigungsmöglichkeiten für das Modell gibt. Wo sie sich entschließen, dieses Wissen auch offen in die Diskussion einzubringen, erhalten arbeitgebernahe Politiker und Lobbyisten neben dem öffentlichen Protest einen zusätzlichen Impuls, die unrealistischen und ungerechten Pläne aufzugeben.
Bundespräsident Horst Köhler stellte übrigens in der "Welt" vom 7.12.2005 ein Frage, die einiges über die Rente mit 67 aussagt: "Was ist das für ein Land, in dem wir bald bis 67 arbeiten sollen, in dem aber viele schon mit 50 keine Stelle mehr finden, weil die Unternehmensleitungen eine vergreisende Belegschaft befürchten oder weil sie vorrechnen, ältere Mitarbeiter kosteten sie zu viel?"


