Der zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, hat heute bei einer gemeinsamen Konferenz mit der IG BCE in Berlin den überzogenen Preisdruck großer Hersteller auf die Automobilzulieferer angeprangert. ‚‚Hier wird Marktmacht zur Erpressung eingesetzt’’, sagte er.
Ein massives Überwälzen von Kosten auf Zulieferer gefährde langfristig die Qualität, wie verschiedene Rückrufaktionen zeigten. Innovationsfähigkeit und Qualität müssen vor Kosten rangieren!
Eine Reihe von Herstellern verlange neben den jährlichen Preissenkungen immer neue Zugeständnisse. Gerade in den letzten Wochen seien Fälle bekannt geworden, wo vertraglich vereinbarte Preise einseitig gekürzt wurden und diese Beträge einfach einbehalten wurden. Der Zulieferer könne dann entweder zähneknirschend akzeptieren, oder er verhänge einen Lieferstopp. „Allerdings ist er dann in der Regel die längste Zeit Lieferant gewesen!“ beschrieb Berthold Huber den zunehmenden Druck auf die Automobilezulieferer.
Es sei nicht hinnehmbar, dass von einigen Herstellern derart in die Unternehmensentscheidungen selbstständiger Firmen eingegriffen werde!
Berthold Huber: „Die größten Preisdrücker unter den Automobilherstellern sind zugleich auch die Verlierer im Wettbewerb. Sie setzen auf kurzfristige Effekte und vernachlässigen die langfristige und nachhaltige Entwicklung der Produkte und der Unternehmenswerte. Dagegen sind die führenden Unternehmen , die kontinuierlich wachsen und positive Ergebnisse hervorbringen, auch diejenigen, die partnerschaftlich mit ihren Lieferanten umgehen“
Huber forderte partnerschaftliche Geschäftsbeziehungen, bei denen Leistungen und Gegenleistungen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen und ein ausreichender Finanzierungs- und Investitionsspielraum für Zulieferer erhalten bleibt.
Die Hersteller sollten eine langfristige Auftragsgestaltung gegenüber den Lieferanten anstreben. Dies sei die Basis für Planbarkeit und Verlässlichkeit. „Vorleistungen, insbesondere Entwicklungsleistungen müssen entgolten, geistiges Eigentum muss geachtet werden.“
Huber nannte es ein Alarmzeichen, dass 2006 erstmals seit langem auch die Beschäftigtenzahl bei Auto-Zulieferern leicht zurückgegangen sei. Zur Stärkung der oft kleinen und mittelgroßen Unternehmen sei es auch notwendig, ihre Finanzierungsgrundlagen zu verbessern. Die Bildung von Eigenkapital müsse steuerlich gefördert werden.
Initiativen zur Innovationsführerschaft bei Verbrauch, Umweltschutz und Sicherheit.
Die deutsche Automobilindustrie hätten in einigen Bereichen heute schon die Innovationsführerschaft, beispielsweise bei den Diesel-Technologien, sagte Huber. Dies reiche aber nicht aus: „Um in Zukunft weiter wachsen zu können, müssen wir die Innovationsführerschaft bei Verbrauch, Umweltschutz und Sicherheit in den wesentlichen Segmenten des Produkts und bei den Mobilitätslösungen anstreben.“
Er forderte die Clean-Diesel Technologie so rasch wie möglich auch in die Fahrzeuge des Massensegments einzubringen.
Auch beim Ottomotor seien die Potentiale für Energieeffizienz noch lange nicht ausgeschöpft. Hier sei bereits mit der Direkteinspritzung ein wesentlicher Innovationssprung realisiert worden. Weitere Verbesserungen müssten im Rahmen von Forschungskooperationen angestrebt werden. Auch die Weiterentwicklung von Kraftstoffzusätzen und anderen Automobilflüssigkeiten, die zur Verringerung von Emissionen führen, sei eine gemeinsame Aufgabe.
Ein weiteres wichtiges Feld seien die Hybrid-Lösungen. Hier gäbe es, so Huber, bereits wichtige Kooperationen auf der Herstellerseite und bei den Zulieferern . Hier müsse es gelingen, innerhalb kürzester Zeit in eine technologische Führungsrolle zu kommen.



