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06.08.2008
IG Metall-Mitglieder in den Aufsichtsräten führen Tantiemen ab

Der Ferienflug des Verdi-Chefs, Frank Bsirske, hat eine heftige öffentliche Debatte über die Bezahlung von Aufsichtsräten ausgelöst. Wobei es einigen angeblichen Wirtschaftsexperten aus Union und FDP offenbar weniger um die Lufthansa oder Bsirske geht, sondern gleich um das ganze System der betrieblichen Mitbestimmung.

Sonderbeilage zur metallzeitung

Bsirske war auf Kosten der Lufthansa in Urlaub geflogen. Ein Privileg, das ihm als Mitglied des Lufthansa-Aufsichtsrates juristisch zusteht, ob dieser Erste-Klasse-Freiflüge politisch geschickt war, steht auf einem anderen Blatt. Der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft kündigte am Montag an, die Gratistickets für einen Teilstrecken-Flug nachträglich zu bezahlen.

 

Der CSU-Wirtschaftsexperte Hans Michelbach und FDP-Generalsekretär Dirk Niebel forderten Bsirske zum Rücktritt auf und auch der CSU-Vorsitzende Erwin Huber prügelte heftig verbal auf Bsirske ein.

 

Politik und Boulevardpresse haben ihr Thema für das Sommerloch gefunden. Und Erwin Huber wird es ganz recht sein, wenn er damit vom eigenen Versagen als Aufsichtsratsmitglied der Bayerischen Landesbank ablenken kann.

 

An die Böckler-Stiftung statt in die eigene Tasche

Was in der ganzen öffentlichen Aufregung bisher untergeht, ist die Tatsache, dass Mitglieder der DGB-Gewerkschaften ihre Aufsichtsratstantiemen zu ca. 90 Prozent für soziale Zwecke abführen, meist an die Hans-Böckler-Stiftung.

 

Für andere Mitglieder von Aufsichtsräten gilt Vergleichbares leider nicht. „Wir fordern die Vertreter der Kapitalseite auf, ihre Tantiemen vergleichbaren Einrichtungen zugunsten sozialer Zwecke zukommen zu lassen und sie nicht in die eigene Tasche zu stecken“, sagte der damalige Zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber bereits 2005, bei der Vorstellung der Bilanz zur Abführung von Aufsichtsratstantiemen. Auch Politiker - von denen nicht wenige gleich in mehreren Aufsichtsräten sitzen - könnten sich ja mal dem Beispiel der Gewerkschaftsmitglieder anschließen. Was macht eigentlich Erwin Huber mit seinen Aufsichtsratstantiemen?

 

„Wer für die IG Metall ein Mandat übernimmt, muss schriftlich versichern, dass er das Geld nicht behält. Wer sich nicht daran hält, wird in unserer Mitgliederzeitschrift metall mit vollem Namen gerügt. Wenn sich dann immer noch nichts ändert, klagen wir vor Gericht. Ich kann nur sagen: Für uns hat sich diese Praxis sehr bewährt, und wenn andere dem folgen, ist das sicher kein Fehler“, sagte Berthold Huber in einem Interview mit dem Handelsblatt.

 

Während die von den Aktionären benannten Vertreter die oft großzügigen Vergütungen in die eigene Tasche stecken dürfen, können die Gewerkschafter nur rund zehn Prozent der Summe selbst behalten. Den großen Rest führen sie ab, an die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung. Die Abführungspflicht ergibt sich aus der Satzung. Rund drei Viertel ihres Gesamtetats von derzeit 43,9 Millionen Euro deckt die Stiftung mit diesen Beiträgen ab. Durch die Hans-Böckler-Stiftung werden mit diesen Geldern zum Beispiel Studienstipendien für sozial Schwächere oder wissenschaftliche Forschungen gefördert.

 

Die Veröffentlichung der Namen der Kolleginnen und Kollegen, die Teile ihrer Einkünfte aus Mitbestimmungsfunktionen korrekt oder nicht korrekt abgeführt haben, in der metallzeitung erfolgt aufgrund eines Beschlusses des 14. Gewerkschaftstags. Diese Transparenz über das Abführungsverhalten der in der IG Metall organisierten Arbeitnehmervertreter ist auch ein Bestandteil des Aktionsplans „Unternehmen Mitbestimmung“.

 

Hohe Ehrlichkeit in Bayern

Ausweislich der entsprechenden Veröffentlichung in der metallzeitung vom Oktober des letzten Jahres haben in Bayern 264 Kolleginnen und Kollegen im Jahr 2005 (die Veröffentlichung erfolgt wg. verspäteter Zahlungen etc. mit ca. 1,5 Jahren Verzögerung) ihre Aufsichtsratsvergütungen korrekt abgeführt. 12 Kollegen, die nicht oder nicht korrekt abgeführt haben (entspricht etwa 4,54 Prozent) wurden namentlich genannt und wurden damit allen IG Metall-Mitglieder bekannt gemacht. Diese große Transparenz erzeugt natürlich einen entsprechenden sozialen Druck, sich an die entsprechenden Regeln zu halten und nur die ganz Bockbeinigen bleiben da noch stur, aber die müssen - wie gesagt - damit rechnen - von der IG Metall entsprechend vor Gericht verklagt zu werden.

 

Also: Politiker und Kapitalvertreter in den Aufsichtsräten - nachmachen bitte!

 

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