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29.07.2007
Schelsky bezahlte AUB-Beschäftigte, Übernachtungskosten und aufwändige Werbegeschenke

Die AUB ist nach eigenen Angaben von ihrem Gründer und Ex-Vorsitzenden Wilhelm Schelsky zum Teil aus dessen Privatmitteln finanziert worden. Der seit dem 14. Februar in Untersuchungshaft sitzende langjährige Vorsitzende der AUB, habe unter anderem Mitarbeiter in den fünf AUB-Geschäftsstellen entlohnt.

Bleibt Mitglied der AUB:
Wilhelm Schelsky

Außerdem übernahm Schelsky (Foto) die Übernachtungs- und Bewirtungskosten bei Mitgliederversammlungen, auch aufwendige Werbegeschenke und „anderen Luxus“ habe Schelsky für die AUB bezahlt, zitiert Tagesschau.de den neuen AUB-Schatzmeisters Andreas Braum.

 

Wie viel Geld Schelsky der AUB, deren Zügel er 20 Jahre lang als Bundesvorsitzender fest in der Hand hielt, insgesamt gezahlt hat, will aus dem AUB-Vorstand niemand gewusst haben. Tagesschau.de zitiert die bisherige Schelsky-Stellvertreterin Ingrid Brand-Hückstädt, die wegen der Affäre nicht mehr kandidierte mit den Worten: „Wie viel Geld insgesamt floss, sei selbst dem früheren Vorstand unbekannt gewesen“. Auch hat sich offenbar aus dem AUB-Vorstand nie jemand die Frage gestellt, woher all das Geld stammte aus dem die Gehälter, Übernachtungs- und Bewirtungskosten und Werbegeschenke bezahlt wurden.

 

Trotz dieser beispiellosen Naivität ist man sich bei der AUB nach wie vor keiner Schuld bewusst: „Das ist eine Affäre Schelsky, keine AUB- Affäre" zitiert die Financial Times die bisherige AUB-Vize Ingrid Brand-Hückstädt.

 

Warum die Zahlungen von Schelsky an die AUB von dieser dann nicht als Spenden deklariert wurden, bleibt ein Rätsel, das letztlich wohl nur die Steuerbehörden und die Staatsanwaltschaft klären können. Ebenso wie die Frage, wer bei Siemens eigentlich für die Zahlungen an Schelsky verantwortlich war und wer davon gewusst hat.

 

Dass sich die AUB weiterhin „die Unabhängigen“ nennt – obwohl nun auch offiziell bekannt ist, dass sie jahrelang von den Schelsky-Millionen und damit wohl direkt von Siemens abhängig war – zeugt schon von einer gewissen Unverfrorenheit

 

AUB hält an Schelsky fest

Schelsky ist am 14. Februar verhaftet worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Gegen ihn wird wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue und diverser Steuerstraftaten ermittelt. Er soll von Siemens Zahlungen in Millionenhöhe erhalten haben. Damit sollte er offenbar eine Gegengewerkschaft zur IG Metall aufbauen. Eine Haftbeschwerde hat das Landgericht Nürnberg-Fürth abgewiesen und sprach in der Begründung davon, Siemens habe sich offenbar erhoffte, die Mitbestimmungskosten durch die Wahl von Vertretern der AUB in die Betriebs- und Aufsichtsräte verringern zu können.

 

Dass die AUB auch nach der Verhaftung ihres Vorsitzenden krampfhaft an diesem festgehalten hat, wird heute natürlich lieber verschwiegen. Die Nachrichtenagentur dpa zitierte damals die Verbandssprecherin Traute Jäger mit den Worten: "Herr Schelsky bleibt weiterhin Chef unserer Organisation".

 

Bis heute will sich die AUB nicht von Schelsky trennen. Obwohl bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung am Samstag (28.7.) mehrere Anträge vorlagen, die den Ausschluss von Schelsky aus der AUB forderten, will die AUB ihrerseits den Mann nicht rauswerfen, dem sie so viel zu verdanken hat.

 

Vermutlich nur 10 000 Mitglieder

Seit Jahren behauptet die AUB sie habe 30 000 Mitglieder. Geglaubt hat das in Fachkreisen nie jemand. Aber auch bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung am Samstag in Nürnberg wurde diese Zahl wieder offiziell genannt. Die Süddeutsche Zeitung berichtet in ihrer Montagsausgabe, die AUB habe wohl nur 10 000 Mitglieder. Zwar wären auch bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung keine genauen Zahlen vorlegt worden, allerdings hätten einige Mitglieder die Listen einsehen dürfen. Einer davon sagte hinterher der SZ man habe um die 10 000 Mitglieder.

 

Von der SZ mit diesem Widerspruch konfrontiert, sagte Brand-Hückstädt, sie wolle die Zahl 10 000 weder bestätigen noch dementieren. Die Süddeutsche schreibt dazu in ihrem Kommentar: „Statt die angebliche neue Transparenz mit Ehrlichkeit zu unterfüttern, wird der Öffentlichkeit weiterhin eine völlig übertriebene Mitgliederzahl vorgegaukelt.

 

Dateien:
AUB-Broschuere-07_04.pdf
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