Siemens will 1,2 Milliarden Euro in Verwaltung und Vertrieb einsparen. Soviel ist seit längerem bekannt. Ein Stellenabbau sei unvermeidlich, heißt es von der Konzernspitze. Konkrete Zahlen wurden allerdings bis heute nicht genannt. Nun meldet das Handelsblatt, weltweit sollten bis zu 15.000 Stellen gestrichen werden.
Der geplante Stellenabbau würde damit erheblich höher ausfallen, als bisher befürchtet. Ein Konzern-Sprecher wollte die Zahl nicht kommentieren. Das Handelsblatt beruft sich in dem Artikel auf nicht näher genannte „Arbeitnehmerkreise“. Der IG Metall sind allerdings bis heute keine Zahlen bekannt.
„Wir stehen im Dialog mit den Arbeitnehmervertretern“ zitiert die Zeitung einen Siemens-Sprecher. Das mit dem „Dialog“ sehen GBR-Vertreter allerdings anders: „Das ist von der Firmenleitung bewusst falsch dargestellt. Wir (der Gesamtbetriebsrat) haben am 30. April ungefähr 14 verschiedene Projekte vorgestellt bekommen, einen Ordner voller Foliensätze, die wir erst am Morgen der Sitzung bekommen haben. Das war bislang das einzige. Die Informationen kamen zu spät, sind unvollständig und zum Teil völlig unverständlich", sagte Rüdiger Skrobarczyk, Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses des Gesamtbetriebsrats sowie des Wirtschaftsausschusses, im Interview mit dem Siemens-Dialog.
Auch Werner Neugebauer, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, betonte gegenüber mehreren Medien am Mittwochabend auf Anfrage: „Uns sind keine Zahlen bekannt!“ Der Gesamtbetriebsrat hat zum ganzen Komplex des geplanten Konzernumbaus einen langen Fragenkatalog mit über zweihundert Fragen erstellt, den die Firmenleitung jetzt beantworten soll. Auch ein Rechtsanwalt wurde durch den GBR eingeschaltet, um die zeitnahe, umfassende und vollständige Information der Arbeitnehmervertretung beim Arbeitgeber juristisch einzufordern. Wenn das alles vorliegt, können die Gremien der betrieblichen Mitbestimmung beraten. Dann erst wird Klarheit über den geplanten Stellenabbau herrschen.
Neugebauer: „Der Konzern ist in der Pflicht: er muss sich um jeden und jede kümmern und Betroffenen eine Perspektive anbieten. Es bleibt bei dem, was wir immer schon gesagt haben: wir erwarten sozialverträgliche Lösungen, z. B. durch entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen. Bei Siemens gibt es soviel Hirn, soviel Innovation, soviel Kreativität. Von so einem Konzern kann man erwarten, dass dem etwas anderes einfällt, als Personalabbau zu betreiben.“



